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SWR2 Wort zum Tag

Wie das wohl klingt, wenn sieben Jünglinge schnarchen? Nein, ich habs nicht verschlafen, ich bin eher zu früh dran! Der Siebenschläfertag ist nämlich erst am 7. Juli. Denn es gab ihn schon lange vor der Gregorianischen Kalenderreform im Jahr 1582. Bei dieser Reform hat man einmalig 10 Tage übersprungen, und so wurde der 27. Juni zum 7. Juli. Also ist in puncto Wetter für die nächsten Wochen noch längst nicht alles entschieden.
Die Siebenschläfergeschichte hat übrigens auch mit so etwas wie Zeitverschiebung zu tun. Ihren Namen verdankt sie den Sieben Schläfern von Ephesus. Nach der Legende haben sieben junge Männer um 250 nach Christus dem römischen Kaiser Decius die verlangten Opfer verweigert. Statt den Kaiser als Gott zu verehren, bekannten sie sich zum Christentum. Sterben wollten sie aber auch nicht und versteckten sich deshalb in einer Hütte. Decius ließ sie dort einmauern, und sie schliefen ein. Ca. 200 Jahre später - das Christentum war längst Staatsreligion – ließ ein Mann das Mauerwerk einreißen; die Legende betont, dass Gott ihm den Gedanken ins Herz legte, an diesem Ort Ställe für seine Hirten zu bauen. Nun erwachten die Sieben, offensichtlich mit knurrendem Magen. Denn Malchus, einer von ihnen, ging in die Stadt zum Einkaufen und wurde dort aufgegriffen, als er mit 200 Jahre alten Münzen bezahlen wollte. Große Verwirrung auf allen Seiten. Schließlich führte man Malchus dem Bischof vor. Der ging mit ihm zur Hütte und fand alle Brüder lebend vor; „und blüheten ihre Angesichter wie die Rosen“, heißt es in der Legende. Kurz darauf pilgerte auch Kaiser Theodosios II. zur Höhle. Ihm waren die Sieben ein wichtiges Zeichen für die Auferstehung der Toten. „Siehe, wir sind wahrlich auferstanden und leben“, sagen sie dem Kaiser, und danach neigen sie ihre Häupter zur Erde und entschlafen nach Gottes Willen – der endgültigen Auferstehung entgegen.
Die älteste schriftliche Überlieferung dieser Legende stammt übrigens aus dem Jahr 521. Die Stadt Ephesus zog auf diese Weise viele Pilger an, die sich in der Hoffnung auf ihre Auferstehung bei der Siebenschläferhöhle begraben ließen. Und die etwas weniger Erwartungsvollen suchen bis heute die Hilfe der Siebenschläfer, wenn sie nicht schlafen können. Es müssen dann ja nicht gleich 200 Jahre sein.
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