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SWR2 Wort zum Tag

Vergesst das Beste nicht.
So hat Dorothee Sölle einen Brief an ihre Kinder überschrieben. Sie sagt darin, was ihr im Leben wichtig war und was sie ihren Kindern weitergeben möchte. Vergesst das Beste nicht. Ich meine damit, dass Ihr Gott manchmal lobt, wenn Ihr sehr glücklich seid, so dass das Glück ganz von selbst in die Dankbarkeit fließt.    
Was würde ich in einem solchen Brief schreiben?
Was ist mir im Leben so wichtig geworden, dass ich es weitersagen möchte?
Vielleicht würde ich von der Hoffnung sprechen, ohne die niemand leben kann, von der Hoffnung, dass ich behütet und bewahrt mit anderen leben kann, mit ihnen Freud und Leid wie das Brot teile. Diese Hoffnung gibt mir Kraft, mit offenen Augen das Leben zu leben.
Vielleicht hat auch Jesus gesagt: Vergesst das Beste nicht und hat dann vom Reich Gottes gesprochen. Was er wollte, was er gelebt hat, das ist das Reich Gottes.
Im Vaterunser ist es die Mitte, um die alle anderen Bitten kreisen. Wenn ich bete Dein Reich komme, dann bitte ich darum, dass die Welt nicht bleiben muss, wie sie ist. Sie kann anders werden. Von dieser Hoffnung lebe ich.  
Die Vision vom friedlichen Miteinander hat eine lange Tradition. Beim Propheten Jesaja ist sie eindrücklich beschrieben:
Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern... Kühe und Bären werden zusammen weiden... und ein Kleinkind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. (Jes. 11, 6ff.)
Das hier beschriebene Bild ist keine Idylle, sondern ein Protestschrei. Es ist der Schrei nach einer Welt, in der es  nicht mehr Tod und Gewalt gibt, sondern eine versöhnte Welt, eine Welt des Friedens.
Wer betet Dein Reich komme, der will, dass dieser Wunsch Wirklichkeit wird.
Denn das Reich Gottes ist offen für einen neuen Himmel und eine neue Erde. Diese Hoffnung festzuhalten, heißt, das Beste nicht zu vergessen.
Das Reich Gottes ist da nahe, wo zum Beispiel Menschen Trost und Hilfe erfahren, wo Alte nicht allein sind, wo Kinder eine Zukunft haben. Es ist nahe, wo Menschen mit anderer Hautfarbe und Herkunft, mit anderer Weltanschauung und Religion nicht diskriminiert werden. Es ist nahe,  wo Menschen das leben können, was ihrem Leben Sinn und Halt gibt. Deshalb: Vergesst das Beste nicht.

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