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SWR4 Abendgedanken

Ich möchte eigentlich kein Ja-Sager sein. Das sind Leute, die einfach und ungeprüft allem zustimmen, weil das angeblich einfacher ist als sich eine eigene Meinung zu bilden. Aber ich habe schon länger den Eindruck, dass das gar nicht mehr stimmt. Mir scheint, dass es oft viel einfacher ist, Nein zu sagen als Ja. Wenn ich Nein sage, dann fragt meistens keiner mehr nach. Das ist dann eben so. Ich will nicht. Ich mache das nicht. Ich glaube das nicht. Schluss, Aus, Ende.
Wenn ich Ja sage, dann wird nachgefragt: Aha - und wie willst du das machen? Wie kommst du denn darauf?
Vor einiger Zeit habe ich den Satz gelesen: „Wer Ja sagt, muss auch B sagen; wer Nein sagt, sagt einfach nur Nein." Das hat mir eingeleuchtet. Sogar beim Glauben ist das so. Wenn ich sagen würde: „Es gibt keinen Gott." Dann wäre das Thema erledigt. Der Nein-Sager hat es - für den Moment jedenfalls - leichter.
Ich sage aber: „Ja, es gibt einen Gott." Und wer Ja sagt, der muss auch B sagen.
B sagen, heißt zum Beispiel:
Ja! Ich rede mit ihm! Es gibt ihn, er ist bei mir und ich fände es ausgesprochen unhöflich, wenn ich ihn morgens nicht begrüßen würde wie ein Familienmitglied. Ich fände es unfreundlich ihm abends nicht „Gute Nacht" zu sagen. Und es täte unserer Beziehung nicht gut, wenn ich ihm nichts von mir erzählen würde. Also bete ich. Wer Ja sagt, muss auch B sagen...
Ja, es gibt einen Gott. Das bedeutet außerdem für mich, dass ich ihm zuhöre. Manchmal redet er über mein Gewissen, mit der Stimme meines Herzens. Aber ich habe schon gemerkt, dass ich mich da auch verhören kann.
Deshalb ist mir die Bibel so wichtig geworden. Da lässt Gott mich teilhaben an seiner Geschichte mit den Menschen und zeigt mir, wie das Leben gelingen kann, da „höre" ich ihn.
Und weil ich sage: „Ja, es gibt einen Gott." bedeutet das für mich auch, dass ich nicht nur hinhöre, sondern auch auf ihn höre. Dieser Gott ist ja Gott und nicht nur ein Mensch. Und bei Gott finde es richtig, wenn man ihn nicht nur hört, sondern ihm auch gehorcht.
Wenn er mir zum Beispiel sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", dann will ich das versuchen. Ich gehorche - so gut ich kann.
Wer Ja sagt, muss auch B sagen, finde ich.

Den Gedankengang habe ich Wolf Lotter nachgedacht (brand eins, Heft 1, 2012; Schwerpunkt: Nein sagen)

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