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SWR3 Gedanken

Meine Eltern haben mir einen Namen gegeben, der eigentlich schön, heute aber eher selten ist: Peter. Er klingt auch ganz gut in anderen Sprachen: Pieter, Piedro, Pierre, Pedro, Piotr oder Petros. Da kommt er auch her, aus dem Griechischen und bedeutet: Fels!
Jesus von Nazareth hat Simon, einem seiner engsten Vertrauten diesen Namen gegeben: „ Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“ Das ist schon eine Knaller-Formulierung und sie muss wohl auch eine Last auf den Schultern des Petrus gewesen sein. Denn er war, so wie er in der Bibel beschrieben ist, ein Mann mit 2 Gesichtern.
Das eine zeigt einen impulsiven, großspurigen Mann der Jesus das Blaue vom Himmel verspricht und schon auch mal einem Soldaten das Ohr abhackt.
Das andere Gesicht des Petrus ist kleingeistig und ängstlich. Als es gefährlich wird, ja lebensgefährlich wird ein Anhänger Jesu zu sein, da lügt Petrus, gibt vor Jesus nicht zu kennen und haut ab. Der engste Vertraute Jesu macht sich aus dem Staub.
Und trotzdem mag ich diesen impulsiven Angsthasen. Oder vielleicht gerade deswegen: weil mein Namenspatron so ganz menschlich ist. Keine eindimensionale, geschlechtslose Heiligenfigur ohne Makel, sondern ein Mann mit Ecken und Kanten, mit deutlichen menschlichen Schwächen, aber auch mit großer innerer Kraft und Begeisterungsfähigkeit.
Und genau diesem Mann, keinem anderen, vertraut Jesus seine Kirche an.
Also, Kirche: menschlich bist Du, ganz menschlich! Vergiss das nie, wenn Du über andere Menschen redest oder gar über sie urteilst. Und all Ihr Peters da draußen, ob in der Kirche oder nicht: Herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!
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