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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Jesus kann übers Wasser gehen! Steht so in der Bibel. Er erscheint seinen Jüngern mitten auf dem See, als die in ihrem Fischerboot ängstlich zusammengekauert sitzen. Ihr Boot droht zu kentern, denn heftig sind die Windwellen und stürmisch ist der See. Da sehen sie ihn. Neben ihrem Boot läuft er. Und sogleich legt sich der Sturm, das Wasser glättet sich. Jesus sagt zu den Menschen im Boot: Habt keine Angst! Euer Glaube hilft euch. Glaubt an mich und an Gott, der euch begleitet, wir beide sind ganz dicht neben euch.
Die Jünger im Boot können es nicht fassen. War er das wirklich? Oder nur eine Fata Morgana, eine Einbildung?
Wo Gott erscheint, sind Naturgesetze Nebensache. Wir können auf einen Gott vertrauen, der viel mehr kann als wir. Der unsere Begrenzungen aufhebt. Und der uns Menschen damit überrascht.
Jedes Jahr fordern wir neu die Naturgesetze heraus. Meine Kinder und ich. Im Freibad haben wir immer mächtig Spaß: Übers Wasser rennen. Wir probieren das seit Jahren. Wer kommt am Weitesten? Mit vollem Karacho - wie meine Kinder sagen - versuchen wir vom Rand aus in rasender Geschwindigkeit über das Wasser zu laufen.
Ich sag´s offen: Wir können es nicht! Nach ein paar Metern ist immer Schluss.
Aber das kurze Wettrennen übers Wasser und das Miteinander machen Spaß und das Lachen ist immer sehr laut. Eines bleibt sicher: Naturgesetze können wir nicht außer Kraft setzen.
Jesus konnte das wohl. Übers Wasser laufen. Damals. Und im Bild gesprochen tut er das auch heute noch: Dasein für die Leute, die unterzugehen drohen. Er setzt unserer Wirklichkeit eine neue Realität entgegen. Eine, die ich in meinem Leben gut gebrauchen kann.
Gott und Jesus tragen mich durch meine Angst, durch Stürme, sicher auch durch meine privaten Unwetter: Krankheit, Alleinsein, die blöde Finanznot. Ich glaube, wenn die Wogen mal wieder hoch gehen und mir der Wind mächtig ins Gesicht bläst: Dann darf ich wissen,  da ist einer, der mir ganz nahe ist, der dicht neben mir geht. Der lässt mich nicht allein. Der trägt mich. Keine Einbildung, nicht nur ein Trugbild.
Ich mag an diesen Jesus glauben und daran, dass es eine Wirklichkeit neben uns Menschen gibt, die anders ist, als meine Wahrnehmung von mir selbst. Gottes gute Absichten mit uns übersteigen mein Vorstellungsvermögen. Der mich da begleitet, der ist stark. Es ist Jesus, der sogar für mich übers Wasser laufen kann.
An den will ich mich heute halten, daran will ich glauben, auch über jede Begrenzung und auch über jede Vernunft hinaus.

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