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SWR2 Wort zum Tag

Was hat der christliche Glaube mit einem Gabelstapler zu tun? Als ich vor kurzem diese Frage hörte, sagte ich spontan: Gar nichts natürlich. Heute allerdings weiß ich es besser. Überzeugt davon hat mich ein Projekt, das in einem Kölner Vorort Jugendliche begeistert.
Ort der Handlung: Das Untergeschoss der Kirche St. Theodor in Köln-Vingst. Hier steht ein Flurförderfahrzeug, wie es so schön in der Sprache der Verkehrsjuristen heißt. Jeder kennt es aus dem Baumarkt oder von Baustellen: ein Gabelstapler. Ein kleines, kompaktes Fahrzeug, das an seinen zwei vorstehenden Metallarmen ton-nenschwere Lasten heben und transportieren kann.
Doch im Untergeschoss von St. Theodor gibt es keinen Baumarkt und keine Bau-stelle. Mit dem Gabelstapler wird nur zu Übungszwecken gefahren. Genauer: Hier gibt’s eine Fahrschule für Gabelstaplerfahrer. Eine überaus erfolgreiche Fahrschule. Mehr als 130 Jugendliche machten im letzten Jahr hier ihren Führerschein für Flur-förderfahrzeuge.
Die Fahrschüler waren vor allem Jugendliche ohne Schulabschluss. Auf dem Markt ohne Chancen, frustriert, abgeschrieben. Jugendliche, die noch nie im Leben eine Prüfung bestanden hatten. Kein Wunder, dass die Ausbildung zum Gabelstaplerfah-rer sie mehr kostet als Geld, nämlich Anstrengung, Nerven, Durchhaltevermögen. Nicht jeder schafft die Prüfung auf Anhieb. Die praktischen und theoretischen Hür-den sind hoch. Aber wer endlich seinen ‚Lappen’, seinen Führerschein in der Hand hielt, der berichtete von einem unglaublichen Gefühl. Dem Gefühl, endlich auch etwas geschafft zu haben, auch mal Erfolg zu haben, nicht immer durch den Rost zu fallen.
Ein Gabelstapler unter der Kirche – das ist keine spektakuläre Nachricht. Und trotz-dem hat mich diese kirchliche Initiative fasziniert. Weil sie zeigt, wie wenig manchmal ausreicht, um die Welt ein bisschen zu verändern. Oft scheint es so, als könnte der Einzelne wenig ausrichten in unserer globalen Welt. Die Politik und die Wirtschaft treffen doch die weit reichende Entscheidungen. Sie haben Konsequen-zen für Millionen von Menschen. Was kann ich da tun? Mehr, als ich manchmal glaube. Denn gerade die kleinen Aktionen und Initiativen bewirken viel. Sie verän-dern einzelne Menschen, geben Mut, stärken sie. Zum Beispiel mit einem Gabel-staplerführerschein.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=1583