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SWR2 Lied zum Sonntag

Fest soll mein Taufbund immer stehn,
ich will die Kirche hören.
Sie soll mich allzeit gläubig sehen
und folgsam ihren Lehren.                                                                                     

„Fest soll mein Taufbund immer stehen" - Wenn katholische Christen sich im Gottesdienst an ihre Taufe erinnern wollen, dann wird in der Regel dieses Lied gesungen. Ist die Gemeinde groß genug, dann wird es sogar geschmettert. Dazu lädt es ein, weil die Melodie allen bekannt ist. Aber auch der Text fordert diese laute Zustimmung. Er will die Gläubigen auf die Kirche „einschwören".
Ich vermute, den meisten Sängern geht es wie mir: die Kirche hören und ihren Lehren folgen? Nein, nicht einfach so, unbesehen. In manchen Dingen bin ich anderer Meinung als mein Bischof, vieles kann ich nicht unkritisch übernehmen. Mit manchen offiziellen Verlautbarungen bin ich nicht glücklich. Überhaupt: meinen Glauben habe ich nicht, damit die Kirche ihn sieht.
Christoph Bernhard Verspoell, ein Priester in Münster hat diesen Text zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschrieben. Seitdem ist einiges anders geworden, bei den Menschen wie auch in der Kirche. Dabei musste schon Verspoell mit einer veränderten Situation zurechtkommen. Die Kirche hatte durch Napoleon und seine Reformen ihre frühere Macht eingebüßt und musste zu einer neuen Rolle finden. Vielleicht war es in dieser Situation wichtig, dass die Gläubigen sich mit dem Lied klar machten: Wir gehören noch dazu. Wir sind eine Verpflichtung eingegangen mit unserer Taufe.
Natürlich werde auch ich durch die Taufe ein Mitglied meiner Kirche, aber ich möchte diese Mitgliedschaft nicht so demonstrativ verkünden. Viel wichtiger ist mir, dass ich durch die Taufe zu Jesus gehöre, zu seiner Jüngerschaft. Deshalb liegt mir der neuere Text, wie ich ihn zu meiner Erstkommunion im Bistum Osnabrück gesungen habe, auch näher:
Fest soll mein Taufbund immer stehn,
zum Herrn will ich gehören
Er ruft mich seinen Weg zu gehen,
und will sein Wort mich lehren.[i]
Den Text hat ein Pfarrer aus Köln nach dem zweiten Vatikanischen Konzil umgedichtet.  Nachdem die Kirche sich für die neue Zeit und auch für den Dialog mit der Gesellschaft und zu anderen Kirchen und Religionen geöffnet hat, war es wichtiger, sich nach der Taufe als Christ zu zeigen. Doch schon vorher, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat der Berliner Theologe Johannes Pinsk die Perspektive etwas geändert. Er war aktiv in der so genannten ‚Liturgischen Bewegung'. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass alle Gläubigen den Gottesdienst verstehen und bewusst feiern können. In seinen zusätzlichen Strophen  heißt es zum Beispiel: „Am Leben der Dreieinigkeit ward Anteil mir geschenket. Ich bin nun Kirche". Genau, ich bin auch Kirche. Es gibt nicht die Kirche, auf die ich hören muss, die nur aus Obrigkeit besteht. Aber auch nicht die Kirche, die alles nur falsch macht, über die ich mich nur ärgern kann. Ich bin ein Teil dieser Kirche, die aus vielen Menschen besteht, die mit mir Wege gehen. Manchmal ist es gut, wenn mir jemand sagt, dass ich auf mich achtgeben muss. Oft regen mich andere Menschen in der Kirche an, über etwas nachzudenken, oder etwas zu tun. Und natürlich gehört es auch dazu, dass ich mal unbequemes gesagt bekomme. Wenn ich auf diese Weise auf die Kirche höre - auch auf Menschen aus anderen Kirchen -, auf Seelsorgerinnen, Prediger und Bischöfe, denen es darum geht, mich auf guten Wegen des Glaubens zu begleiten, dann bin ich einverstanden. Bei aller Kritik: ohne meine Kirche, ohne andere Christen, die sich in ihren Kirchen engagieren, könnte ich gar nicht Christ sein. Deshalb bin ich dankbar, dass ich dazugehören darf, dass ich andere an meiner Seite weiß.

Fest soll mein Taufbund immer stehn,
ich will die Kirche hören.
Ich will den Weg des Glaubens gehen,
und folgen Gottes Lehren.
Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad
in seine Kirch berufen hat.
Ihm will ich allzeit leben.
 

GL 060 "Fest soll mein Taufbund immer steh'n" 1981600 213 


[i] Karl Günther Peusquens

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15710