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SWR2 Wort zum Tag

Ganze 6 Jahre glücklich verheiratet, musste sie – gerade 20 Jahre alt – den Leichnam ihres geliebten Ludwig in Empfang nehmen. Gleich zu Beginn des Kreuzzuges war er in Süditalien gestorben. Wir haben uns diese Elisabeth von Thüringen als starke, selbstbewusste Frau vorzustellen. Sie selbst hatte ihren Ludwig zum Kreuzzug ermuntert und ihn beim Start ein Stück weit noch persönlich begleitet. Auf eigene Faust half sie den Armen, wo immer sie konnte – sehr zum Ärger ihrer fürstlichen Verwandtschaft. Jetzt hatte sie, Mutter von drei kleinen Kindern, mit Ludwig ihren irdischen Rückhalt verloren, und mehr als das.
Als sie in Bamberg vor den sterblichen Überresten ihres Mannes steht, dankt sie Gott weinend für diese Reliquien wenigstens. „Herr Du weißt: ….so sehr ich ihn auch liebte, ich will in dir nicht neiden. Er hat sich auf seinen und – man höre! – meinen Wunsch zum Schutz des Heiligen Landes geopfert.“ Hier spricht, zärtlich und selbstbewusst, förmlich emanzipiert, eine gläubig trauernde Frau voller Gottesbewusstsein. Und nun folgen die goldenen Worte ihrer Liebe im Gebet: „Könnte ich ihn (meinen Ludwig) wieder haben, so wollte ich ihn gegen die ganze Welt eintauschen, selbst wenn ich mit ihm betteln gehen müsste. Aber gegen deinen Willen (Gott) möchte ich – Du bist mein Zeuge – ihn nicht um den Preis eines einzigen Haares zurückkaufen.“ Sind das nicht bewegende Sätze? Längst wusste die von der Wartburg vertriebene Elisabeth, was betteln heißt. Umso deutlicher spricht aus ihr die Liebe einer Ehefrau, fast mehr noch aber ein unglaubliches Gottvertrauen. Das führt sie schließlich bis nach Marburg an der Lahn, wo sie ein Armenhospiz gründet und schließlich begraben wird. Dort steht sie wieder persönlich an vorderster Front beim Pflegen und Helfen. Heutzutage ist viel von Mystik die Rede, oft nur erfahrungssüchtig und folgenlos. Bei Elisabeth ist das anders. Gottesliebe und Nächstenliebe sind für sie untrennbar, die Liebe zu ihrem Mann und die Liebe zu Gott sind kein Gegensatz, keine Mystik ohne Diakonie, keine religiöse Erfahrung ohne praktische Solidarität. Die ungarische Königstochter ist, ganz auf der Spur des Franz von Assisi zu einer Landesmutter der Armen geworden.
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