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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Lachen hilft gegen die Angst. Daher auch der Galgenhumor - diese eigentümliche Heiterkeit, die manche befällt, wenn ihnen etwas Schlimmes bevorsteht.
Zum Beispiel vor einer Operation. Da höre ich die Patienten schon mal sagen: „Gell, Herr Doktor, Sie holen da aber nichts raus aus meinem Bauch, was ich noch gebrauchen kann...?" Oder: „Oh weh, jetzt werde ich zur Schlachtbank geführt..."
Sicher, der Humor macht die Angst nicht weg. Aber wenn man vor einem gefürchteten Eingriff lachen kann, nimmt es etwas von der Anspannung.
Als ich mir vor ein paar Jahren den Schneidezahn angeschlagen habe, da hatte ich furchtbare Angst vor der Wurzelbehandlung. Und ich habe ziemlich rumgejammert. Man hört ja oft genug, dass die Betäubung der Schneidezähne so scheußlich wehtut. Da hat sich meine Tochter eine Rosine oder Korinthe vorne auf den Zahn geklebt und gesagt:
„Schau, so siehst Du bald aus, wenn Du die Behandlung nicht machst."
Dann hat sie meine Brille aufgesetzt und hat mich bedeutungsvoll nachgeahmt - mit Zahnlücke. Ich bin fast vom Stuhl gefallen vor Lachen. Und bin dann viel entspannter zur Behandlung.
Für mich ist Humor ein Geschenk Gottes gegen die Angst. Selbst gegen die Angst zu sterben.
Ein jüngerer Patient, so um die vierzig, erzählte mir:
„Wenn die Angst mich überfällt, verhandle ich mit meinem Tumor. Ich sage zu ihm: „Hör mal gut zu! Wenn du nicht weiter wächst, haben wir beide etwas davon: Dann können wir nämlich beide weiterleben. Aber wenn du mich umbringst, dann nehme ich dich mit."
Und eine Frau, um die es auch nicht gut stand, erzählte mir etwas Ähnliches:
„Manchmal spreche ich mit meinem Tumor. Ich erzähle ihm von all der Zuneigung und Liebe, die ich erfahre, seit ich krank bin. Und dann sage ich ihm:
Paß mal auf, nur dass du es weißt: Du kannst mich zwar umbringen. Aber das alles kannst du mir nicht nehmen. Und wenn ich so mit ihm Rede, das hilft mir."

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