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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Die Christen müssten mir erlöster aussehen." Hat mal der Philosoph Friedrich Nietzsche gesagt. Und hinzugefügt: „Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte."
Ich kann ihn gut verstehen. Wie soll man an einen Erlöser glauben, wenn die Christen oft so unerlöst aussehen? Mir kommen die Christen auch manchmal ganz ernst und düster vor. Vor allem deutsche Christen. Sie ducken sich in die Kirchenbänke und singen schwere Lieder, die kaum ein Mensch versteht.
Warum sollte ich am Sonntag in die Kirche gehen? Erlöst und fröhlich? Wo ist das in der Kirche?
Erlöst und fröhlich. Das treffe ich eher am Strand, im Schwimmbad oder manchmal auch in der Stadt, in der Fußgängerzone. Sicher, da rennen auch viele ganz ernst rum, tragen rechts und links zwei Tüten. Und hetzen immer nur stur geradeaus.
Aber andere Leute schlendern so dahin. Bleiben mal hier stehen und mal da. Haben Zeit. Lassen sich einfach treiben. Die haben für mich was Erlöstes. Bestimmt haben sie auch Sorgen. Aber sie lassen sich nicht unterkriegen. Zumindest nicht in diesem Moment.
Mir fällt da immer ein Satz aus der Bibel ein. Jesus sagt einmal: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?"
Das stimmt. Es geht um Vertrauen in Gott. Da fange ich doch mal bei mir an. Ich mache mir bewusst: Du bist wie du bist. Und das ist gut so. Du wirst geliebt. Einfach so. Mehr geht gar nicht. Ich vertraue darauf, dass Gott mich beschützt. Ich weiß also: ich muss nicht immer Höchstleistung bringen. Ich kann meine Arbeit gelassener angehen.
Mehr lachen, mehr loslassen, entspannen. Auf der Straße fängt das doch an. Da lasse ich jemandem mal die Vorfahrt und hupe ihn nicht an. Da warte ich mal geduldig an der Ampel, wenn der vor mir sein Auto abgewürgt hat. Ich setze ihn nicht unter Druck. Ich klammere mich nicht an mein Recht. So einfach ist das. Erlöst und fröhlich.

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