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SWR4 Abendgedanken

Eine gute Nachbarschaft miteinander zu haben, ist etwas sehr Schönes.
Aber es nicht immer selbstverständlich. Nachbarn sucht man sich nicht aus. Das kann schon mal schiefgehen. Man kommt sich in die Quere, stört sich, überschreitet eine Grenze. Einer hat das Gefühl, der andere mache sich zu sehr breit.
In guter Nachbarschaft gelingt das Miteinander. „Nachbarschaftshilfe" heißt, dass der Mensch nebenan schneller erreichbar ist als andere. Wenn ich Hilfe brauche oder wenn ich ihm helfen kann, der Nachbar ist da. Eine besondere Form von Verbundenheit, die schon in kleinen Dingen das Leben leichter und freundlicher macht. Ich nehme Post für den Nachbarn entgegen. Er gießt meine Blumen im Urlaub. Wir halten ein Schwätzchen, wenn wir uns begegnen.
Jesus erzählt manchmal Geschichten von Nachbarn, zum Beispiel von den Samaritern, mit denen die Juden - ihre Nachbarn -- ein Problem haben. Er erzählt von einem Mann aus Samarien, der sich so ganz anders verhält als seine Nachbarn, die Judäer, das von ihm erwarten: Ohne zu zögern, kümmert er sich um einen Kranken. Deshalb, weil der Hilfe braucht. Und weil es dann egal ist, wo er herstammt oder zu welcher Religion er gehört. Er ist der Nachbar. Der Nächste.
Jesus sagt am Schluss der Geschichte: Macht das auch so!
Viele Jahre später hat Matthias Claudius offensichtlich einen ähnlichen Gedanken. In seinem Lied „Der Mond ist aufgegangen" schreibt er:
„Verschon uns, Gott, mit Strafen
und lass uns ruhig schlafen.
Und unsern kranken Nachbarn auch!"
Vielen Menschen ist das Lied vertraut. Auch diese letzte Strophe. Wo mit einem Mal die Rede ist vom Nachbarn.
Genauer von „Unserm kranken Nachbarn"
Der Nachbar gehört zu mir - und ich zu ihm. Allein die Tatsache, dass er zufällig nebenan wohnt, macht ihn für mich wichtig. So wie es ihm ergeht - da hänge ich irgendwie mit drin. Weil es „mein" Nachbar ist. Weil wir Wand an Wand wohnen oder Grundstück an Grundstück, sind wir auf besondere Weise aneinander gewiesen.Deshalb bete ich für ihn.
Denn eine gute Nachbarschaft miteinander zu haben, tut allen gut.

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