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SWR3 Gedanken

Seit Ostern haben Christen ein Logo: das Kreuz. Weil Jesus an so einem Kreuz gestorben und auferstanden ist.
Aber es ist ein Kreuz mit dem Kreuz. Denn es ist ja ein Marterinstrument. Gekreuzigt wurden in der Antike viele. Das Kreuz als Zeichen einer Corporate Identity? Jeder Unternehmensberater würde drei Kreuze schlagen und rufen: Wo bleibt da das Positive?
Warum nicht z. B. eine Krippe? Die ist viel netter. Da denkt man an das süße Jesuskind. Oder „Fisch"- das war mal das Geheimzeichen der ersten Christen.
Warum das Kreuz genau richtig ist, habe ich erst begriffen, als ich mich mit dem Buddhismus beschäftigt habe. Vor einem Bild des toten Buddha. Buddha ist nicht an einem Kreuz gestorben. Buddha starb im Bett. Auf der Seite liegend, den Kopf auf einem roten Samtkissen mit goldenen Quasten. Der tote Buddha ist alt und lebenssatt gestorben mit einem Lächeln im Gesicht. Und jeder, der ihn sieht denkt: So möchte ich auch gern mal sterben. So sollte jeder sterben dürfen. Tut es aber nicht. Die meisten Menschen sterben nicht alt und lebenssatt mit dem Kopf auf einem roten Samtkissen. Sie sterben unter Schmerzen. An Hunger, an Erschöpfung. Sie sterben im Dreck, mit verdrehten Armen und Beinen, blutüberströmt und verzweifelt. Wie Jesus. Damals am Kreuz.
Aber jedes Kreuz, das irgendwo hängt oder steht, erinnert an sie. Dass Gott sie nicht vergessen hat, dass Gott mit ihnen gestorben ist. Und dass sie jetzt bei ihm sind.
Das ist die Corporate Identity unserer christlichen Kultur. Keiner ist allein auf seinem Weg von hier nach dort. Gott stirbt immer mit. Menschenverliebt, wie er ist. Und wer darauf vertraut, wird mit Jesus von den Toten wieder auferstehen.

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