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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wohlstand ist mehr als Geld und Besitz. Das hat auch eine Expertenkommission des Bundestags erkannt. Deshalb soll künftig für die Wohlstandsmessung nicht mehr alleine gezählt werden, was in einem Jahr gekauft und verkauft wurde, an Waren und Dienstleistungen. Sondern auch Einkommens- und Vermögensverteilung, Bildung und Gesundheit, Umwelt und Natur sollen in die Berechnungen einbezogen werden. Die Experten hoffen so auf eine realistische Einschätzung des Wohlstands in unserem Land. -

Es ist eine Binsenweisheit, dass Kauf und Verkauf alleine nicht den Wohlstand in einem Land beschreiben können. Wer unverkäufliche Werte schafft, etwa weil er seine alten Eltern pflegt, kommt hier zum Beispiel gar nicht vor. Ich habe aber Zweifel, ob wir überhaupt entscheidend weiterkommen, wenn wir außer dem Geld noch anderes zählen, also Schulabschlüsse und Arztbesuche, CO2-Ausstoß und Insektenarten. Kann man Wohlstand wirklich zählen?

Die Bibel hat einen Begriff, der Wohlstand weit über das Zählbare hinaus beschreibt: „Schalom", Frieden." Schalom" meint ein erfülltes Leben, meint einen umfassenden Frieden, der nicht zu trennen ist von Gerechtigkeit und Solidarität. Ausdrücklich schließt er Gesundheit und Wohlergehen ebenso ein wie materielle und äußere Sicherheit. Dieser Schalom ist eine komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit. Er ist letztlich ein Geschenk Gottes.

Eine solcher Schalom kann nicht gezählt, gewogen oder gemessen werden. Aber er bringt zum Ausdruck, worum es wirklich geht: Um eine Gesellschaft in Frieden, Wohlergehen und Gerechtigkeit, jenseits aller Statistik.

Die Politik wird auch weiterhin zählen müssen. Aber ihr sollte klar sein, dass beim Zählen zunächst nur Zahlen herauskommen. Ob die Menschen wirklich ein gutes Leben führen, wird nicht nur von Zahlen abhängen, sondern auch von ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen. Gerechtigkeit und Frieden wollen wir erleben, nicht zählen.

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