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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Es gibt keine Sendepausen mehr.
Weder im Radio
noch im Fernsehen
noch überhaupt im Leben.
Wir sind immerzu auf Sendung
ununterbrochen aktiv.
pausenlos am Netz.
In meiner Kindheit,
als wir den ersten Schwarz-Weiß Fernseher
mit seinen 3 Programmen bekamen,
Da fing das Fernsehprogramm tatsächlich
erst am späten Nachmittag an,
mit der Drehscheibe
oder was es auch war.
Wir durften da sowieso nicht kucken,
weil das während der Arbeitszeit gewesen ist.
„Nur Faulenzer sitzen vor dem Fernsehkasten!"
Sagte man uns damals.
Und Faulenzen, das war verboten.
Auch in der Nacht war dann irgendwann Schluss.
Das Testbild erschien,
und nur noch ein Ton.
Und nichts mehr
hat gerappelt in der Kiste.
Das ist verdammt lang her.
Heute haben wir unzählige Programme und Sender
und es geht rund um die Uhr.
Sendepause,
das bedeutet heute technische Panne,
eine schnell zu behebende Komplikation.
„Wir bitten um etwas Geduld",
wird ganz schnell eingeblendet
und um Entschuldigung gebeten.
Weil Sendepausen dürfen einfach nicht sein.
Und so sind wir denn auch sonst pausenlos unterwegs,
schalten nicht mehr aus oder ab.
Heilsame Unterbrechungen können wir uns kaum leisten.
Wir sind immer online und aktiv.
Nichts tun, abschalten,
wird oft als Versagen und Schwäche ausgelegt.
Auf allen Kanälen sind wir dabei,
machen wenns sein muss sogar mehrere Programme gleichzeitig
und gönnen niemandem einen Sendeschluss.
In einem Gedicht der Theologin Dorothe Sölle heißt es:
„Du sollst dich selbst unterbrechen.
Zwischen Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein
und Freude,
dem Gruß des Engels lauschen,
der sagt:
Fürchte Dich nicht!
Zwischen Aufräumen und Vorbereiten
zwischen Wegschaffen und Vorplanen
sollst du dich erinnern
an den ersten Schöpfungsmorgen
deinen
und aller Anfang,
als die Sonne aufging
ohne Zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit,
die niemandem gehört,
außer dem Ewigen."

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