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SWR3 Gedanken

Heute sind wieder 50 Ehrenamtliche in der Vesperkirche
Und bedienen Bedürftige mit Mittagessen und Kuchen und Getränken.
Ein Journalist fragt mich als zuständige Pfarrerin
ob es nicht doch gut sein, dass es Armut gäbe
weil das die Menschen in Barmherzigkeit übe
und weil so erst viele lernen wie gut ihr Leben ist.
Was die Helfer betrifft, ist da tatsächlich etwas dran.
Aber offensichtlich hat der Journalist
noch nicht lange genug mit denen gesprochen
die tatsächlich in Armut leben.
Bei allem was Barmherzigkeit tun kann für Einzelne
Bei aller Wertschätzung und allem Dank gegenüber den Helfenden
Es bleibt das große Leid der Bedürftigen:
Auch wenn es gut und wichtig ist,
dass in der Vesperkirche, die einen etwas über die anderen begreifen
kann es nur ein Ziel geben:
dass es so etwas wie die Vesperkirche
und andere Einrichtungen für Bedürftige gar nicht mehr braucht.
Denn solange Arme in unserem reichen Land,
sich keine neuen Zähne leisten können,
solange eine erblindet, oder einer offene Wunden hat
und sich nicht zum Arzt traut,
solange Kinder nie zum Zahnarzt kommen,
keine Winterschuhe haben und keine Chance
jemals herauszukommen aus der Armut,
solange 12 Personen abwechselnd in einem Raum schlafen,
und solange Kinder sich schon in der Schule vom Sport entschuldigen
und nie Geburtstag feiern, weil sie keinen einladen können
solange ist die erste Frage nicht danach,
wie schön sich Barmherzigkeit anfühlt für die, die helfen.
Die erste Frage ist die nach der Gerechtigkeit!
Und danach, wie lange es sich unsere reiche Gesellschaft
noch leisten will
dass immer mehr Menschen sich ein menschenwürdiges Leben
nicht leisten können.

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