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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

"Die Würde des Menschen ist antastbar." Eine Behauptung, die aufhorchen lässt. Denn im Grundgesetz steht genau das Gegenteil: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Aber inzwischen gibt es eine lebhafte Debatte darüber. Wird die Menschenwürde nicht auf ganz verschiedene Weise angetastet, verletzt, missachtet?Angetastet durch Folter und Gewalt, bei Gefangenen, nicht nur in Guantanamo. Angetastet bei Menschen anderer Hauptfarbe, sogar von der Polizei. Bei Menschen, die im Internet öffentlich bloßgestellt und verleumdet werden. Die Menschenwürde wird verletzt auch durch ganz alltägliches, entwürdigendes Verhalten anderen gegenüber. 
Oft ist nicht klar, was mit "Menschenwürde" gemeint ist.  Die Würde, die ein Mensch hat, ist mehr als die "Ehre" oder der "Wert", den man einem Menschen beimisst. "Ehre" wird einem Menschen oft zuteil angesichts seiner Leistung oder seiner Stellung. Der "Wert" eines Menschen wird z.T. von ganz verschiedenen Kriterien abhängig gemacht, von Fähigkeiten, von der Arbeitsleistung, von der Nützlichkeit. Seine Würde aber kommt jedem Menschen zu - unabhängig von irgendwelchen Kriterien oder Leistungen. Alle haben die gleiche Würde. Mit dem Menschsein wohnt sie jedem von uns inne. Sie ist bedingungslos und unverlierbar. Und sie ist unteilbar: Die Würde des Menschen umfasst ihn von Zeugung und Geburt bis zu Tod und Begräbnis. Es geht um den unendlichen, absoluten inneren Wert jedes einzelnen Menschen. 
Der ist in unserem Kulturkreis grundgelegt im christlichen Menschenbild. Zentral dafür ist: Der Mensch ist Gottes Ebenbild. Im Menschen scheint etwas von Gott auf; jeder hat etwas Heiliges in sich; jeder ist unantastbar, von absolutem Wert, unendlich wichtig. Deshalb schreibt Paulus im Römerbrief: "Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung!" (Röm 12,10) Es kommt darauf an, dass wir im Alltag den Mitmenschen mit echter Hoch-Achtung begegnen. Dadurch können sie ihre Würde erleben. Und wer sich seiner Würde bewusst wird, der kann besser mit den anderen umgehen. Damit immer mehr Menschen spüren, welch unendlicher, unbedingter Wert ihnen innewohnt.

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