Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Was für ein himmelweiter Unterschied!"
Das sagen wir, wenn etwas total weit auseinander liegt.
Zwischen den beiden Bewerbern um das Amt des Präsidenten
der Vereinigten Staaten von Amerika
zum Beispiel,
sagt man das.
Denn zwischen den Beiden liegen offenbar wirklich Welten.
Nach den Auftritten und Aussagen im Wahlkampf
haben uns die Medien auf allen Kanälen davon ausführlich berichtet.
Was für ein himmelweiter Unterschied.
Größer kann eine Differenz gar nicht sein.
Wenn ein ganzer Himmel dazwischen Platz hat,
dann muss die Kluft wirklich gewaltig groß sein.
Wir werden sehen.
Amerika hat die Wahl.
Weiß der Himmel,
wie das wohl ausgeht.
Es wird uns in jedem Fall auch betreffen
und das  politische Klima auf der ganzen Welt.
„Um Himmels Willen!"
Sagen die jeweiligen Lager
bei dem Gedanken, die Gegenseite könnte gewinnen.
Und das ist doch interessant,
finde ich,
dass wir das Wort Himmel verwenden,
wenn wir etwas wirklich Weltbewegendes sagen wollen.
Das Wort Himmel ist offenbar extrem gut geeignet,
um etwas Gewaltiges zu umschreiben.
Himmelweit voneinander entfernt,
d. h. ganz weit weg. Unvereinbar.
Himmelhoch ist etwas ganz enorm Steiles
Und vor allem absturzgefährdetes,
wenn es dann nämlich umkippt
in das berühmt-berüchtigte
„zu Tode betrübt"
zu befürchten und auszuhalten.
Das Wort vom Himmel benutzen wir offenbar,
um ganz extreme Aussagen zu machen.
Zum Beispiel wird uns „himmelangst",
wenn etwas gar zu sehr zum Fürchten ist.
Andererseits sagen wir aber auch,
wenn zwei Menschen sich enorm gerne begegnen
und um einander werben:
„Die himmeln sich an."
Was für ein Zauberwort also,
das Wort vom Himmel.
Es muss was ganz geheimnisvolles sein,
was da mit Himmel gemeint ist.
Das muss etwas damit zu tun haben,
dass der Himmel das Hoheitsgebiet Gottes bedeutet,
der geheimnisvolle Ort seiner unglaublichen Gegenwart,
Und weil das eben
so dermaßen unvorstellbar weit
und groß und überdimensional ist,
darum wohl ist die Rede vom Himmel
und dem himmelweiten Unterschied so geeignet,
um etwas ganz Außergewöhnliches zu markieren.
Im Englischen wird ja unterschieden zwischen sky,
dem naturwissenschaftlich greifbaren Gewölbe über uns
und heaven,
dem religiös unverfügbaren Raum.
Es geht also um mehr,
 als um das berühmte
„Über den Wolken".
Es geht um Alles,
um alles, worauf es ankommt.
Ob diese Woche wohl geeignet ist
für himmelhohe und himmelweite Erfahrungen?
Das hängt nicht nur von den Wahlen in Amerika ab.
Das entscheidet sich zuerst einmal in unserem ganz privaten Alltag.
Ich schlage vor,
dass wir heute erst einmal mit dem
gegenseitigen Anhimmeln anfangen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14093