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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Einmal ging unter den Tieren die denkwürdige Frage um:
Was ist eigentlich das Menschliche an den Menschen?
Gibt es einen Grund, nicht nur Angst vor ihnen haben zu müssen?
Die Tiere wollten es einfach nicht glauben, dass Gott ausgerechnet der so genannten „Krone der Schöpfung“ so wenig krönende Eigenschaften gegeben haben könnte.
Lange wollte ihnen aber einfach nichts Entwarnendes einfallen. Im Gegenteil. Alles klang einfach nur schaurig traurig. Als sie ihre Urteile und Vorurteile zusammentrugen:
Die diebische Elster zum Beispiel behauptete kühn:
„Die Menschen klauen einfach alles, was glänzt!“
Der Rabe senkte Schnabel und Stimme und sprach:
„Die Menschen sehen alles rabenschwarz!“
Der Eintagsfliege war es eilig festzustellen,
dass die Menschen überhaupt gar keine Zeit hätten.
Die mit den Geweihen votierten einstimmig, man habe genau beobachtet, dass sich die Menschen vornehmlich gegenseitig auf die Hörner nähmen.
Das Faultier gähnte unvergleichlich ansteckend und sagte ehe es einschlief:
„Die Menschen schaffen zu viel und schlafen zu wenig!“ Die Schnecke kam im Schneckentempo, was man ihr nicht weiter übel nahm und flüsterte erschöpft.
„Die Menschen sind mir einfach zu schnell!“
Die Tiere hatten fast alle Hoffnung aufgegeben, etwas zu finden, was den Menschen irgendwie ungefährlicher und sympathischer machen könnte.
Da schwebte die Nachtigal herab, eindrucksvoll wie immer, landete sachte, räusperte sich viel sagend und sprach:
„Freunde, seid beruhigt, die Menschen singen!
Ihr müsst die Hoffnung nicht aufgeben.
Es gibt Zeiten, da sehen die Menschen nicht nur schwarz, da nehmen sie sich nicht fortwährend auf die Hörner, und auch nicht alles weg, was glänzt.
Es gibt Zeiten, da machen sie langsamer, ruhen sich aus und sind friedlich beieinander.
Und das passiert meistens dann, wenn sie singen und musizieren.
Sie machen nicht nur Krach, sie machen auch Musik!“
Da hüpften und gurrten und schnurrten
und wedelten und gackerten die Tiere vor Begeisterung.
und dankten ihrem Schöpfer, dass er den Menschen so wunderbar gemacht hatte.
Eine tierisch gute Nachricht oder?

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