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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Sind sie eigentlich tierlieb? Manche Leute mögen ja gar keine Tiere. Wenn man die Bibel liest, muss man jedenfalls ganz schön tierlieb sein.
Da kommen nämlich immer wieder mal wunderbare Tiere vor und meistens benehmen sie sich auch wunderbar, oder sonderbar.
Und mache werden uns sogar als Vorbildern vorgestellt. Das ist besonders delikat.
Zum Beispiel Ochs und Esel. Sie genießen ja nicht gerade ein so positives Image.
Es heißt doch:
Esel seien störrisch und Ochsen, die kann man ins Horn petzen, wie man will, die rühren sich trotzdem nicht. Und doch sollen sie uns Vorbilder sein? „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn, heißt es beim Propheten Jesaja, „aber mein Volk kennts nicht und verstehts nicht.“ Eine tierisch ernste Lektion also!
Ochs und Esel wissen nämlich, wer sie füttert und versorgt, kennen ihren Stallmeister
und achten ihn sehr.
Er ist Nahrung und Bewahrung in einem. Und jetzt kommen wir im Vergleich ganz schlecht weg, sind Ochs und Esel weit unterlegen, wenn es darum geht, von dem Einen auf das Andere zu schließen:
Also von der Gabe auf den Geber. Vom Schrot auf Gott. Ochs und Esel stehen Modell für die Einsicht:
Wir sind abhängig! Wir sind keine Selbstversorger! Für sie ist es keine Schande
angebunden und abhängig zu sein. Und das ist keine Schande.
Das ist sogar gut für uns! Ochsenschwanz und Eselsohr machen es uns richtig vor:
Die mögen noch so stur und schwer von Begriff sein, eines merken sie sich ganz genau:
wer sie füttert und versorgt. Tierlieb sein könnte jetzt an der Stelle für uns heißen:
sich nicht zu schade sein, was zu lernen:
Ich bin auch heute wieder darauf angewiesen, dass Gott mich ernährt und versorgt
mit allem, was ich brauche. Und weil ich weiß, dass nichts von ungefähr kommt,
sondern von dem, der mir und Tier das Leben gibt, darum bin ich auch gerne in seiner Nähe.
Tiere merken sich, wer gut zu ihnen war, die sind nicht so vergesslich.
Und kommen wieder und bleiben dabei. Und um den dazugehörigen Stallgeruch zu mögen, muss man eben ein bisschen tierlieb sein.
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