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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Wenn Sie der Hauptstraße folgen, kommen Sie auf einen der schönsten Plätze der Stadt. Hier können Sie sich auf eine Bank setzen und die Leute beobachten." Im Reiseführer stand das.
Neben anderen Sehenswürdigkeiten wird mir da empfohlen, an einem schönen Platz die Leute zu beobachten. Ich gebe zu, ich mache das auch gerne, wenn´s nicht im Reiseführer steht. Einfach da sitzen und schauen, was so um mich herum passiert, wer da so unterwegs ist. Manche haben viel Zeit, schlendern langsam durch die Straße und andere huschen eilig an mir vorbei. Ich beobachte Menschen, vermute, wie es ihnen so geht, ob sie wohl nett oder unsympathisch sind, froh oder bedrückt. Der Reiseführer hat Recht. Menschen sind wirklich eine Sehenswürdigkeit!Weil sie so verschieden und einmalig sind. Und weil es der Würde des Menschen entspricht, sie anzusehen, sie wahrzunehmen und zu beachten. Und ich weiß von mir, wie gut es tut, von anderen gesehen zu werden. Das verleiht Ansehen.
Auch Zachäus kann davon ein Lied singen: Zachäus, der Zöllner. Der zu klein geraten ist. Der den Leuten zu viel Geld abnimmt. Als Zachäus hört, dass Jesus in die Stadt kommt, sucht er sich einen schönen Platz. Einen Platz, von dem er alles gut beobachten und sehen kann. Er findet einen Baum. Auf den klettert er. Von dort hat er alles, ja alle Sehenswürdigkeiten, im Blick. Aber Zachäus beobachtet nicht nur, er wird auch angesehen, von Jesus. Jesus holt Zachäus aus seiner Beobachterrolle heraus. Sieht ihn an, spricht ihn an und lädt sich sogar bei ihm zuhause ein. Jesus macht  Zachäus deutlich: Ich will nicht aus der Ferne beobachtet werden, nicht bewundert, auch nicht bejubelt werden. Ich will auch dich ansehen. Ich will dir begegnen. Denn du bist eine Sehenswürdigkeit - so wie jeder Mensch!

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