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SWR3 Gedanken

Eine Beerdigung ist schon sowieso ein trauriges Ereignis.
Menschen aus der Umgebung der Verstorbenen, ihre Familie,
ihre Freundinnen und Freunde, Kollegen, Nachbarinnen -
sie haben sich noch mal versammelt,
erinnern sich an schöne Zeiten, reden darüber,
was sie mit der Toten verbindet und was ihnen jetzt fehlt.
Trauer um einen lieben Menschen
ist immer auch Trauer um die Liebe und die Freundschaft
und damit auch um die Hinterbliebenen selbst.
Der eigene Schmerz - und der ist ja natürlich und ganz normal. Noch ein ganzes Stück trauriger ist eine Beerdigung ganz ohne Trauergemeinde.
Da  ist ein Mensch aus dem Leben gegangen, zu dem oder zu der niemand mehr gehört hat, die oder der einsam gestorben ist -  und um den sich jetzt auch niemand mehr kümmert. Doch, natürlich - kümmern muss sich dann die Stadt oder die Kommune. Und die beauftragt vielleicht einen Bestatter vor Ort. Aber das ist sozusagen die technische Seite des letzten Weges. Und ich stelle mir vor,
das ist auch für den Bestatter zwar professionell, aber doch eine besonders traurige Beerdigung In Jette, das ist eine der Gemeinden der belgischen Hauptstadt Brüssel,
kommt das inzwischen fast zwanzigmal im Jahr vor. In Jette haben sie jetzt einen neuen Dienst eingeführt: Freiwillige, Männer oder Frauen, als ehrenamtliche Beerdigungsgäste. Sie schenken den Verstorbenen einen würdigen Abschied.
Sprechen vielleicht am offenen Grab ein Abschiedswort oder ein kurzes Gebet, legen Blumen auf den Sarg,  gestiftet von der  Gemeinde Jette, wer mag und kann darf auch musizieren... Die Toten begraben - das ist eines der traditionellen christlichen
Werke der Barmherzigkeit.
Die Toten haben nichts davon, vielleicht - aber unsere Gesellschaft macht es wieder ein wenig menschlicher. 

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