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SWR3 Gedanken

„Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied" - ein guter Spruch, denn er stimmt im Großen wie im Kleinen. Eine Familie kann auseinander brechen, wenn einem Mitglied in seiner Schwäche nicht geholfen wird. Und Staatenverbünde können zusammenbrechen, wenn die Schwächsten fallen gelassen werden. Daran muss ich bei der Eurokrise immer wieder denken. Es könnte ja purer Egoismus sein, Griechenland zu unterstützen, weil mit dem Austritt Griechenlands auch der Euro scheitern könnte. Angela Merkels Merksatz „ohne Euro kein Europa" stimmt. Er stimmt aber umgekehrt noch viel mehr: ohne Europa kein Euro. Denn mit der europäischen Finanzkrise hat sich der größte Geburtsfehler der europäischen Union gezeigt. Man meinte nur mit Geld einen Staatenverbund zusammenhalten zu können. Geld aber kennt keine Solidarität. Geld kennt nur den Geldwert und ohne ideelle Werte, ohne persönliche Kontakte und soziale Projekte gibt es keine wirkliche Gemeinschaft. Natürlich darf sich eine Gemeinschaft, ein Staatenverbund nicht ausnützen lassen und sich auch nicht austricksen lassen. Und natürlich darf auch nicht blind und ohne Bedingungen geholfen werden. Aber dass die Starken den Schwachen helfen und sie nicht in ihrer Schwäche zurück lassen und ihnen wieder zur eigenen Stärke, zur Selbstständigkeit verhelfen, all das gehört zur christlich-abendländischen Kultur. Und das unterscheidet unsere Kultur vom Raubtierkapitalismus anglo-amerikanischer Länder oder vom staatlich verordneten Turbo-Kapitalismus Chinas. Nur ein starkes Europa könnte da ein ideeller, politischer und wirtschaftlicher Gegenpart sein. Aber nur, wenn es sich an seinen Schwachstellen nicht auseinander reißen lässt. Denn: "Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied."

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