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SWR3 Gedanken

Die Geschichte ist von einer Südamerikanerin und ich erzähle sie weiter, weil sie eine schöne Wahrheit enthält:

Eine Indianerin pflegte meiner Mutter stets ein paar Rebhuhneier oder eine Hand voll Weinbeeren zu bringen. Meine Mutter sprach ihre Sprache nicht und die Indianerin konnte kein spanisch, doch sie genoss Tee und Kuchen mit anerkennendem Lächeln. Wir Mädchen bestaunten die farbigen von Hand gewebten Umhänge, von denen sie mehrere übereinander trug. Wir wetteiferten bei dem Versuch, den melodischen Satz zu behalten, den sie immer zum Abschluss sagte. Schließlich konnten wir ihn auswendig sagen und ein Missionar hat ihn für uns übersetzt. Er hieß: „Ich werde wiederkommen, denn ich liebe mich, wenn ich bei euch bin." „Ich liebe mich, wenn ich bei euch bin. Das ist doch einer der schönsten Sätze, die man über Gastfreundschaft sagen kann. Eine Gastfreundschaft, bei der es nicht nur um Kaffee und Kuchen oder um nettes Geplauder geht. Wenn Menschen sich nicht nur wohl fühlen, weil ihnen das Ambiente gefällt, in dem ich lebe oder ihnen die Atmosphäre angenehm ist. Wahre Gastfreundschaft lässt einen Menschen sich geborgen fühlen, angenommen sein. So wie er ist. Überhaupt als Mensch, aber gerade auch wie er jetzt ist, da ist, gekommen ist. Wenn er so aufgenommen wird, dass er oder sie weiß, hier muss ich nichts leisten, nichts beweisen, den anderen nicht und mir selbst nicht. Sondern ich kann sein wie ich bin und wie ich mich gerade fühle. Und so, vielleicht nur so, kann ich mich lieben. Weil ich zu spüren bekomme, dass ich liebenswert bin. Ganz einfach so, weil ich bin und so bin, wie ich bin. 

Quelle: „Der Andere Advent - Meditationen und Anregungen". 1. Dezember 2007 -       6. Januar 2008. Blatt vom 2.1.2008. Hrsg. Andere Zeiten e.V., Hamburg, 2007.

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