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SWR2 Wort zum Tag

Sara hat ihr Abitur bestanden, und jetzt möchte sie etwas ganz anderes tun: Für ein Jahr nach Uganda gehen und dort in einer Schule mitarbeiten. Diese Schule liegt am Rand von Kampala und die Bilder, die sie uns davon zeigt, sind ernüchternd: mehr Hütten als Häuser - natürlich ohne Klimaanlage, obwohl es unerträglich schwül ist. Um die 60 Kinder sind in den engen Klassenzimmern, manche haben nicht einmal einen Platz zum Sitzen. Draußen gibt es außer der festgetretenen Erde nicht sehr viel. Ein paar Bäume und Sträucher und da und dort ein marodes Spielgerät, das vor sich hinrostet. Und doch haben die Kinder, die hier unterrichtet werden, das große Los gezogen. Sie kommen aus armen Familien, oft leben ihre Eltern weiter weg auf dem Land und viele haben gar keine Familie mehr. Bildung - das ist der einzige Weg in eine bessere Zukunft. 
„Warum machst du das? frage ich Sara. Sie hatte lange eine Brieffreundin in Uganda und bekam so Einblicke in die afrikanische Kultur. Der Wunsch, einmal dorthin zu gehen und das Leben mit diesen Menschen zu teilen ist über viele Jahre gewachsen. Natürlich spielt auch die Abenteuerlust eine Rolle und die Herausforderung, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden. Bei einem kürzeren Aufenthalt in einem palästinensischen Flüchtlingslager hat sie erlebt, was es heißt, unter ganz einfachen Bedingungen zu leben. Gerade das reizt sie: ohne all unsere selbstverständlichen Annehmlichkeiten auszukommen, weil sie entdeckt hat, wie reich ein Leben trotzdem sein kann durch die Beziehungen zu anderen Menschen. „Wenn du diese Kinder erlebst", so sagt sie, „dann möchtest du dich einfach für sie einsetzen. Sie haben  - wie alle Kinder - das Recht auf eine gute Kindheit, auch wenn die Rahmenbedingungen sehr schwierig sind." Ob sie aus einer christlichen Motivation heraus handelt, will ich wissen. „Ich bin keine fromme Kirchgängerin, aber wie sich Jesus für die Benachteiligten eingesetzt hat, das ist schon ein Vorbild für mich." 
Sara wird nicht nur als Touristin ein bisschen Exotik schnuppern sondern wirklich eintauchen in eine ganz andere Welt. Das Leben dieser Kinder teilen. Entdecken, wo sie helfen kann und auch die Grenzen spüren. Ich bin beeindruckt von ihrem Mut und finde es toll, dass sie ein Jahr ihres Lebens für andere investieren will. 
Was Sara und mit ihr viele andere junge Leute tun, wird Spuren hinterlassen. Das Leben der anderen lässt sie nicht mehr kalt, denn es ist auch ein wenig zu ihrem eigenen Leben geworden. Und auch die Kinder in Kampala werden entdecken, dass Sara keine Märchenprinzessin aus Deutschland ist, sondern ein Mensch wie sie selbst.
Sara fliegt morgen los. Ich wünsche ihr alles Gute und Gottes Segen.

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