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SWR2 Wort zum Tag

Sommerzeit, Ferienzeit - endlich ausspannen und sich um nichts mehr kümmern - jetzt sollen andere sich um einen sorgen. Das ist für viele der Traum vom Urlaub. „Sorgt euch nicht!" Die Reiseprospekte locken mit Sonnenschein und glitzerndem Wasser, mit freundlichen Menschen und behaglichem Komfort, aber trotzdem bleiben Fragen: Wird das Wetter auch gut sein? Bleibt man von Krankheiten verschont? Hat man sich fürs richtige Reiseziel entschieden oder hätte sich noch etwas Attraktiveres finden lassen. Überhaupt: Stimmen die Angaben, oder wird man geneppt: sind die Strände sauber und das Wasser klar? Nicht einmal mit einem Rundum-sorglos-Paket hat man eine Garantie für einen schönen Urlaub. „Sorgt euch nicht!" 
Diese Worte kommen aus einem ganz anderen Zusammenhang. „Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder was ihr trinken wollt, noch um euren Leib, womit ihr euch kleiden sollt." Worte, die Jesus seinen Zuhörern gesagt hat. Er konnte ihnen keinen Traumurlaub anbieten, und er hatte auch keine Wundermittel für ihre täglichen Sorgen und Nöte. Etwa ob der steinige Boden unter der sengenden Sonne genug Frucht bringen würde, ob man eine Arbeit als Tagelöhner fand und ob von dem mühsam Erwirtschafteten noch etwas übrig blieb, wenn sich die römischen Besatzungsherren und ihre Helfershelfer bedient hatten...Ja überhaupt: ob man halbwegs unbehelligt überleben konnte, wenn Besatzungsterror und versteckter Widerstand überall ihre Blutspuren hinterließen. 
„Sorgt euch nicht" Wie konnte Jesus so etwas sagen? Er kannte doch den Druck, der auf den Leuten lastete. Jesus fährt fort: „Ist nicht das Leben mehr als das Essen und der Leib mehr als das Kleid? Schaut auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht und ernten nicht und heimsen nicht in Speicher - und doch: Euer himmlischer Vater nährt sie. Geltet ihr nicht mehr als sie?" Man kann fast die Bewegung spüren, mit der Jesus seine Zuhörer aufrichtet. Er weitet ihren Blick, der vom täglichen Klein-Klein gefangen war, von der ständigen Sorge ums Überleben, die wie ein Krebsgeschwür alles vereinnahmt. Jesus ermuntert sie, trotz alldem auch in die Weite des Himmels zu schauen und zu darauf zu vertrauen, dass es letztlich Gott ist, der uns das Leben gibt. Bei ihm gelten wir immer schon etwas, nicht erst dann, wenn wir das Leben gemeistert und im Griff haben. „Sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles andere wird euch dazugetan." Leben kann gelingen, selbst unter widrigen Umständen, wenn Menschen mit Gott in Verbindung sind. 
Hat das alles zu tun mit unserer Sehnsucht nach ein paar sorgenfreien Tagen? Für mich schon. Ich kann von der himmlischen Sorglosigkeit der Vögel lernen und meine freien Tage dankbar genießen. Ich kann achtsam dafür werden, wie viel mir an Gutem widerfährt, ich kann offen für die Überraschungen und Erlebnisse sein, die mir diese Tage bringen und mit jedem Atemzug entdecken, dass das Leben ein großartiges Geschenk ist. Dann kann der Urlaub ein kleiner Vorgeschmack auf das Reich Gottes werden. 

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