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SWR3 Gedanken

Meinen ersten Liebesbrief habe ich in der siebten Klasse bekommen. Ehrlich gesagt, war es kein Brief. Es war ein Stück kariertes Papier mit einer Multiple-Choice-Frage: Willst du mit mir gehen? So nannte man das damals, wenn man sich auf eine Beziehung einließ. Man „ging" mit jemand. Und mein damaliger Verehrer hatte unter dieser Frage drei Kästchen gemalt: Ja, Vielleicht, Nein. Ich hatte also die Wahl.
Der damalige Verehrer war ein netter Kerl. Aber die große Liebe war er nicht. Ein leidenschaftliches „Ja" konnte ich also schlecht ankreuzen. Ein vehementes „Nein" wollte ich nicht ankreuzen. Schließlich war er ja ein netter Kerl. Also dachte ich über ein „Vielleicht" nach. Aber was ist schon ein „Vielleicht"?
Am Ende habe ich „Nein" angekreuzt. Weil der nette Klaus eben nur der nette Klaus war. Und außerdem hatte er echt viele Pickel. In der siebten Klasse kann man es sich leisten zu warten, ob nach dem netten Klaus nicht vielleicht noch etwas Besseres kommt. Aber den karierten Zettel habe ich immer noch. Weil er mich daran erinnert, dass ich eine Wahl habe.

Das Leben stellt mich ständig vor Entscheidungen. Zur Not täglich. Bin ich dafür oder dagegen? Oder plädiere ich für ein entschiedenes „Vielleicht"? Welche Konsequenzen hat meine Entscheidung? Werde ich Menschen damit glücklich machen oder werde ich sie enttäuschen? Werde ich mit meiner Entscheidung glücklich sein oder von mir selbst enttäuscht? Entscheide ich mich viel zu oft für ein „Vielleicht"?
In allen Entscheidungen meines Lebens hilft es mir, dass schon einmal einer einen Liebesbrief geschrieben hat mit einer klaren Entscheidung. Gott kennt kein „Vielleicht". Gott kennt kein „Nein", wenn es um mich geht. Gott hat sich für mich entschieden. „Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein", heißt es in der Bibel. Gott hat seine Wahl getroffen. Gott will eine Beziehung mit mir, er will mit mir gehen. Ein Leben lang.

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