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SWR4 Sonntagsgedanken

Es wird von einem Mann erzählt, der hatte alles, was man sich wünschen kann. Aber wie das manchmal so ist: Irgendetwas fehlte ihm. Was es war, wusste er nicht. Da ging er auf Reisen, um das eine zu suchen, von dem er nicht wusste, was es war Auf einmal stand er in einer fremden Stadt vor einem Schaufenster. In dem Schaufenster entdeckte er ein Schatzkästchen. Sein Herz begann zu klopfen, denn er spürte mit einem Mal, dass er seinem Wunsch ganz nahe gekommen war. Als der Verkäufer ihm sagte, wie teuer dieses Schatzkästchen sei, wusste er sofort, dass sein Geld nicht ausreichte, um es zu erwerben. Enttäuscht und traurig machte er sich wieder auf den Heimweg. Zu Hause angekommen hatte er eine Idee und machte Nägel mit Köpfen: Er verkaufte alles, was er hatte - außer dem Nötigsten zum Leben - und machte sich erneut auf den Weg. Diesmal wusste er, wo er suchen musste. Sein ganzes Vermögen gab er dem Händler und war außer sich vor Freude, als dieser ihm das Schatzkästchen überreichte. Endlich gehörte der Schatz ihm! Etwas zögerlich öffnete er das Kästchen und fand darin eine einzige wunderbar schimmernde Perle. Die strahlte Glanz aus und machte sein Leben irgendwie sonnig und hell.
So ähnlich hat es Jesus einmal erzählt. Er wollte den Menschen seiner Zeit damit sagen, dass es sich lohnt, auf die Suche nach der kostbaren Perle zu gehen. Die Perle ist das Reich Gottes. Dieses Reich Gottes, von dem die Bibel in vielen wunderschönen Bildern spricht, beginnt nicht erst im Jenseits, sondern schon hier, mitten in dieser Welt. Wer sein Leben auf Gott setzt, der fühlt sich gehalten und geborgen. Der wird zwar vor schlimmen Erfahrungen nicht bewahrt, aber der muss keine Angst mehr vor solchen Erfahrungen und dem Leben haben. Der erschöpft sich nicht damit, sich abzusichern und sich vor anderen Leuten Ansehen zu verschaffen. Der braucht den Sinn seines Lebens nicht von irgendwelchen Rattenfängern abhängig zu machen, ob sie nun im Gewande einer Mode, einer Ideologie oder selbsternannter Heilsbringer daherkommen. Jesus vergleicht das Reich Gottes mit so einer kostbaren Perle. Die ist ein Sinnbild für die Sehnsucht der Menschen. Wer diese Perle hat, der kann für andere Licht und Wärme ausstrahlen. Kann ihnen helfen, ihnen unter die Arme greifen, ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten. Der kann sich auf das Leben mit anderen einlassen, ohne bei ihnen Schlechtes zu vermuten. Ja, der wird offen für das, was einem im Leben begegnet.
Wie geht es Ihnen, wenn Sie diese Geschichte hören? Für mich gehört dieses Gleichnis zu den schönsten Geschichten, die Jesus erzählt hat. Situationen, in denen ich nicht weiter weiß und wie orientierungslos bin, die kenne ich ja auch. Ich finde: Dann tut es gut, auf die Suche zu gehen nach der kostbaren Perle.

Dass Jesus von einer Perle spricht, ist kein Zufall. Die Menschen damals wussten, wie kostbar Perlen sind. Jesus hat ihnen mit seiner Geschichte gesagt, dass alle Schätze dieser Welt wie nichts sind im Vergleich zu Gott und seinem Reich. Das war Wasser auf ihre Mühlen. Wie sehnten sie sich doch nach einer Erlösung! Wie sehnten sie sich danach, nicht im Alltagsgrau selber alt und grau zu werden! Sie wollten so gern etwas finden, was ihnen heraus hilft aus ihren Sorgen und dem Kummer, den sie miteinander hatten. Sie wollten etwas finden, das ihrem Leben Glanz gab und Wärme, auch wenn längst nicht alles perfekt war
Und das gibt es ja bis heute: Dass Menschen sich nach einem Neuanfang sehnen. Dass sie aufbrechen und ausbrechen aus ihrem Alltag und aus all dem, was sie gefangen hält. Dass sie dann losgehen in der Hoffnung, das zu finden, was sie suchen. Der eine sucht nach einer neuen beruflichen Perspektive, die andere nach einer Partnerschaft voller Liebe und Respekt. Der eine hofft auf Heilung von einer schlimmen Krankheit, eine andere auf Versöhnung mit der eigenen Familie. Wir alle haben unsere Wünsche und Sehnsüchte, unsere Hoffnung auf ein anderes, ein vielleicht besseres Leben.
Mir kommt es vor, als seien auch das Perlen, die wir in unserem Leben entdecken können. Aber es kommt dann auch darauf an, sich wirklich auf die Suche zu begeben. Sich zum Beispiel zu bemühen und sich einzusetzen für eine gelingende Partnerschaft voller Liebe und Respekt. Für den Kampf gegen eine schlimme Krankheit bzw. dafür, mit dieser Krankheit leben zu können, ohne den Lebensmut aufzugeben. Auch für eine berufliche Perspektive muss man sich einsetzen. Denn die Perlen fallen ja nicht einfach vom Himmel.
Bis heute mühen Menschen sich ab und verändern ihr eigenes Leben und das von anderen. Wie der Kaufmann im Gleichnis geben sie alles dafür, die Welt zu finden und sie so zu gestalten, wie Gott sie haben will. Eine Welt, in der Liebe, Frieden und Gerechtigkeit herrschen. Diese Welt beginnt nicht erst in einer fernen Zukunft, sondern schon im Hier und Jetzt. Sich dafür einzusetzen, ist manchmal mühsam und kostet Kraft.  Aber der Einsatz lohnt sich.  Denn wer es versucht, der wird bald spüren, dass er eine kostbare Perle gefunden hat.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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