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SWR3 Worte

Ich weinte über mich, über ihn. Ich weinte, weil alle meine Gefühle so durcheinander waren, weil ich nicht mehr spürte, dass ich ihn liebte, weil ich nicht mehr glücklich war. Ich weinte über die Liebe, die er mir gab und fühlte mich zugleich wie eine Verräterin, weil ich seine Zärtlichkeit wie erstarrt, ohne sie in irgendeiner Weise zu erwidern einfach entgegennahm. Ich weinte, weil ich mich so leer fühlte, zwar am Leben, aber innerlich ganz leer, zerbrechlich, wie eine hohle Eierschale, mit einem Abgrund im Innern, der mich schwindelig machte. Und die ganze Zeit streichelte er mir über den Kopf. Ohne ein Wort zu sagen. Es ist schön, wenn jemand schweigen kann. Wenn jemand keine Angst davor hat, wortlos zärtlich zu sein.

Valerie Zenatti
Leihst du mir deinen Blick? Eine Freundschaft zwischen Jerusalem und Gaza.

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