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SWR2 Wort zum Tag

Haben Sie schon mal vom „Ehrenkreuz der Tapferkeit" gehört? Es handelt sich dabei um die höchste Auszeichnung, die die Bundeswehr zu vergeben hat. Es gibt diese Auszeichnung erst seit 2008 und bevor sie eingeführt wurde, gab es eine jahrelange Debatte darüber, ob nicht die Auszeichnung für „treue Pflichterfüllung und überdurchschnittliche Leistungen" ausreicht, um zu höchsten Ehren zu verhelfen.
So bot die alte Tugend der Tapferkeit tatsächlich wieder Diskussionsstoff. Sie gehört zu den vier sogenannten „Kardinaltugenden", zusammen mit Klugheit, Gerechtigkeit und Maß. Diese spielen seit der Antike in Philosophie und Theologie eine wichtige Rolle. Immer geht es dabei um die Frage, wie das Leben glücken kann, um geglückte Lebensführung.
Das würde heißen, dass Tapferkeit auch für mich eine wichtige Rolle spielen kann, obwohl ich kein Soldat bin und obwohl mir immer gleich das Militär einfällt, wenn ich das Wort höre.
Eine Verbindung könnte das Wort „Zivilcourage" sein. Das klingt doch viel weniger angestaubt wie „Tapferkeit". Damit verbinde ich auch viel mehr Alltagserfahrung.
Wenn ich mitbekomme, wie in der Öffentlichkeit jemand gehänselt oder angepöbelt wird, wegen einer Behinderung oder wegen seiner Hautfarbe. Dann ist es überhaupt nicht angenehm, die eigene Stimme zu erheben. Ich spüre den Drang, wegzuhören und weiterzugehen.
Ich möchte auch widersprechen, wenn Fehler und Mängel heute immer mehr mit Minderwertigkeit gleichgesetzt werden - von Schönheitswahn bis Designerbabys geht es scheinbar nur noch um perfekte Körper und Menschen. Aber es fällt mir schwer, das zu kritisieren und aufzubegehren. Ich habe Angst davor, als Spielverderber, Moralapostel oder sonst etwas Unschönes zu gelten.
Damit ich mich von dieser Angst nicht beherrschen lasse, brauche ich die Tapferkeit.
Der Philosoph Josef Pieper sagte: „Das Wesen der Tapferkeit liegt nicht darin, keine Furcht zu kennen, sondern darin, sich durch die Furcht nicht zum Bösen zwingen oder von der Verwirklichung des Guten abhalten zu lassen."
Also: Angst zu haben, ist völlig normal. Es kommt darauf an, wie ich damit umgehe und dass ich mich nicht davon lähmen lasse.

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