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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Eine ganze Weile lang verlief unser Abend  unter Freunden harmonisch. Es ging um unsere grundsätzliche Haltung gegenüber der Welt und den Menschen, und da waren wir uns einig: Wir wollen aufmerksam sein für die Welt um uns herum und gerecht und friedlich umgehen mit den Menschen in unserer Umgebung. Aber dann erzählte eine von uns von einem ganz konkreten Fall. Und mit einmal war es vorbei mit der Harmonie. Wir kamen heftig ins Diskutieren. Unsere Freundin erzählte: Sie hat in ihrer Firma einen Kollegen, der blockiert ihre Arbeit und macht ihr außerdem noch ihre Erfolge streitig. Dummerweise ist es nicht nur ein Kollege, sondern auch ein Abteilungsleiter, wenn auch nicht ihr eigener. Wie soll sie jetzt bloß reagieren? Bei uns gingen die Meinungen weit auseinander. Etliche meinten: Sie muss klein beigeben. Dem anderen Recht geben. Um ihren Frieden zu haben und eben nichts zu riskieren. Ein paar andere und auch ich waren da anderer Ansicht: Sie muss doch kämpfen für ihr Recht, auch für die gute Sache, die sie vertritt. 
Es gab für beide Seiten Argumente.  Aber eine Begründung hat mich doch ziemlich wütend gemacht, und sie hat mich auch noch einige Zeit nach diesem Abend beschäftigt. Manche sagten: „Seid doch nicht so naiv, dass ihr in der Firma für Gerechtigkeit sorgen könntet. Die Welt läuft eben nach anderen Regeln, als ihr das gerne hättet." Das hat mich, ehrlich gesagt, schockiert: Eben noch reden wir darüber, wie wir friedvoll und gerecht in dieser Welt handeln wollen. Und dann kommt ein Fall aus unserem Alltag: Und wir sagen: Nein, dafür gilt das jetzt nicht mehr. Da müssen wir uns natürlich anpassen. Ich gebe zu: Ich bin vielleicht auch einfach vom Typ her kämpferischer drauf als andere, und manchmal muss sogar ich Kompromisse eingehen. Aber trotzdem: Für mich heißt genau das: Leben nach ethischem, nach christlichem Maßstab. Ich will das, was mir grundsätzlich wichtig und heilig ist, ganz konkret leben. Mich zum Beispiel für Gerechtigkeit einsetzen. Und wenn das heißt: sich in der Firma unbeliebt machen, einen Streit riskieren - dann gehört vielleicht genau das auch mal dazu.

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