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SWR3 Gedanken

Am Ufer eines Sees oder am Rand einer Bergwiese, oder am Meeresstrand, immer wieder habe ich kleine Kieselsteine aufgesammelt, von der Sonne aufgewärmt oder kalt vom Gletscherwasser im Bergbach.
Oft habe ich sie jemand in die Hand gedrückt und gesagt: „Fühl mal wie weich!". Herumgespült zwischen anderen Steinen, von Wellen oder Gletschern hin und hergeschoben, geschliffen bis alle Kanten verschwunden sind herumgewirbelt zwischen Eis und Wasser, immer wieder tausende von Jahren...
Eigentlich ist der Stein ja hart, das Wasser kann nicht in ihn eindringen.
Und mir fällt ein Satz ein beim Propheten Jesaja
Da sagt einer: ich habe mein Gesicht hart gemacht wie einen Kieselstein
damit ich nicht zuschanden werde. (Jesaja 50,7)

Wie jetzt: hart oder weich?
Ist der Stein nur innen hart und außen weich?
Nimmst du einen Kiesel in die Hand kannst du einen Moment darüber nachdenken, was dein Leben mit dir gemacht hat, wie es dich gezeichnet hat oder gar glatt gemacht oder abgeschliffen.
Ein paar tausend oder Millionen Jahre hat der Kieselstein viel erlebt.
Was ist dir begegnet in deinem Leben? Hat es dich weich gemacht oder hart, oder beides? Ein Kieselstein hart und weich zugleich am Strand aufgehoben, warm zwischen den Fingern aus einem Gebirgsbach gefischt oder einfach am Baggersee aufgehoben.
Ein Moment zwischen den Fingern, hart und weich - wie du? Von Jesus wissen wir dass er weich geblieben ist, verletzlich und uns so letztlich Gottes Verletzlichkeit gezeigt hat.
Wer liebt, so wie Gott, bleibt eben verletzlich und weich und dennoch gewinnt er eine besondere Kraft, sodass er nicht „zuschanden" wird. Hart und weich zugleich, vielleicht schenken Verliebte deswegen einander manchmal einen Kieselstein, der erinnert zart und voller Kraft an die Liebe.

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