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SWR3 Gedanken

Der Spanier Justo Martinez wollte sein ganzes Leben Gott widmen und Mönch werden. Durfte er aber nicht, weil er kurz vor seinem Ordensgelübde an Tuberkulose erkrankte. Er hat trotzdem seinen Weg gemacht...
Mittlerweile ist Justo Martinez 86 Jahre alt und hat einiges geleistet: Er baut seit über 50 Jahren an seiner eigenen Kathedrale. Ganz allein. Das Bauwerk steht in der Nähe von Madrid und ist beeindruckend: 55 Meter lang und 35 Meter hoch. Eine große Kuppel im Petersdom-Look und viele Türmchen. Alles bunt und teilweise aus recycelten Materialien: Blechbüchsen und Bruchziegel. 
Nachdem klar war, dass Justo Martinez nicht in den Orden eintreten kann, ist er völlig überraschend wieder gesund geworden. Und dann hat er auf einem geerbten Grundstück einfach angefangen zu bauen. Ohne Genehmigung, ohne Bauplan und ganz allein. Es hilft höchstens einmal einer seiner Neffen. Oder er bekommt altes Baumaterial von benachbarten Firmen gespendet. Eigentlich ein kleines Wunder, dass die Kathedrale nicht längst eingestürzt ist - ohne Statiker und Architekt. 
Es gab sogar schon eine Ausstellung im Museum of Modern Art in New York über die Kathedrale. Und inzwischen pilgern Ströme von Neugierigen dorthin, um das Bauwerk zu sehen. Und um den Mann zu sehen, der dieses Wunder vollbracht hat - Justo Martinez. 
Der Mann steckt voller Energie. Er läuft mit wachen Augen über seine Großbaustelle und arbeitet mal an einem Stück Mauer und dann wieder voll Liebe zum Detail an einem Glasfenster. Er sagt: „Für mich ist es nicht wichtig, dass die Kathedrale fertig wird. Mir kommt es darauf an, jeden Tag etwas für Gott zu tun." Das wäre ihm als Mönch bestimmt auch gelungen. Aber wahrscheinlich nicht so originell wie jetzt.
Nun kann nicht jeder, dem ein Lebenstraum verwehrt bleibt, eine Kathedrale bauen. Aber Justo Martinez könnte dazu anregen, nach kreativen Auswegen zu suchen. Und manchmal kann dann auch was ganz Großes daraus werden.

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