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SWR3 Gedanken

Kommt man in meine Heimatstadt Überlingen am Bodensee, dann wird man am Ortsschild empfangen mit der Aufschrift „Bitte Ruhe, Kneipp-Heilbad!". Ich erinnere mich gut an heiße Tage, wo ich mir als Kind die Hosen hochgekrempelt habe und in ein so genanntes Kneipp-Becken mit eiskaltem Wasser gestiegen bin. Im Storchengang ging es an einem Geländer entlang bis die Beine weh taten oder bis irgendjemand angefangen hat, rumzuspritzen. 
Kneippen nennt man das und erfunden hat´s Sebastian Kneipp, ein Priester aus Bayern. Noch vor dem Studium war er an Tuberkulose erkrankt und auf ein altes Buch gestoßen. Das empfahl Anwendungen mit kaltem Wasser und viel Bewegung an der frischen Luft. Mitten im November beginnt Kneipp seine Eigentherapie und nimmt drei Mal am Tag Vollbäder in der eiskalten Donau. Selbst während seines Studiums in München setzt er die Therapie fort. Nachts schleicht er aus dem Priesterseminar, steigt in einen Springbrunnen und übergießt sich mit Wasser. Bei der Untersuchung vor der Priesterweihe stellt der Arzt verblüfft fest: Keine Spur mehr von Tuberkulose. 
Kneipp entwickelt seine Therapie weiter. Für ihn ist Heilen mehr als nur die Symptome zu behandeln. Körper, Seele und der Lebensstil müssen mit einbezogen werden. Er sagt: „Erst als ich daran ging, Ordnung in die Seelen meiner Patienten zu bringen, da hatte ich Erfolg." 
Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Heilkraft in der Natur und im Menschen selbst steckt. Für mich ist das ein Zeichen, dass hier der heilende Gott anwesend ist. In mir und in der Natur. Umso schwerer zu verstehen finde ich, warum diese Kraft manchmal auch nicht mehr ausreicht, jemanden zu heilen. 
So wie bei Sebastian Kneipp. Im Alter von 75 Jahren ist er schwer an Blasenkrebs erkrankt und am 17. Juni 1897 gestorben. Für ihn und alle Menschen habe ich die Hoffnung, dass die Heilkraft Gottes ihre wahre Wirkung erst nach dem Tod entfaltet.

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