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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Heute werde ich mir wieder einmal die Hände auflegen lassen. Nein, nicht aus religiösen Gründen, nicht, um mich segnen oder weihen zu lassen. Sondern aus medizinischen Gründen. Ich gehe seit einiger Zeit zu einem Osteopathen. Der behandelt nicht mit Medikamenten, sondern: mit seinen  Händen. Er legt sie zum Beispiel auf meinen Kopf, einige Minuten lang. Und dann spüre ich: Etwas kommt in Gang, verändert sich, etwas entspannt sich in mir. Diese Therapie mit den Händen: Sie ist längst nicht von allen anerkannt, aber manche Krankenkasse zahlt sie mittlerweile. Weil sich gezeigt hat: So können tatsächlich Menschen geheilt werden. Ich finde es faszinierend, dass Hände heilen können. Und es erinnert mich an Geschichten aus der Bibel. Von Jesus wird immer wieder erzählt: Er legt den Menschen die Hände auf. Er berührt sie, auf dem Kopf, manchmal auch auf Augen oder Ohren. Und Menschen, die Schmerzen hatten oder blind oder taub waren, denen geht es plötzlich wieder gut oder sie können wieder sehen oder hören. Wörtlich heißt es an einer Stelle: „Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle." (Lukas 4,40) In der Bibel gibt es kaum eine Heilung ohne eine solche Handauflegung. War Jesus dann so eine Art Osteopath? Oder sind die Osteopathen heute religiöse Heiler? Das vielleicht nicht. Aber ich denke: Manche Gemeinsamkeit gibt es schon. Eine ganz einfache zum Beispiel: Wer zum Heilen die Hände auflegt, der bleibt nicht auf Abstand mit dem Kranken. Er kommt ihm nahe, er schenkt auch Nähe. Berührung ist ja immer auch Zuwendung. Wer weiß: das allein hat vielleicht auch schon eine Wirkung. Und dann sagt die Osteopathie: Heilung ist Selbstheilung. Dem Körper soll geholfen werden, mit sich selbst in Einklang zu kommen. So ähnlich lese ich das auch in der Bibel: „Dein Glaube hat dir geholfen!" sagt Jesus einmal. Er will die Menschen dazu bringen, dass sie mit sich selbst gut und heilsam umgehen. Hände auflegen, damals und heute: Das hat den ganzen Menschen im Blick. Und es tut mir als ganzem Menschen einfach gut. Ich glaube wirklich: Hände haben heilende Kräfte.

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