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SWR4 Abendgedanken

„Euro-Waisen", diesen Begriff hatte ich noch nicht gehört:
„Euro-Waisen" nennt man Kinder von Müttern und Vätern aus Osteuropa, die in Ländern der EU arbeiten - oft viele Jahre. Weil sie da gesuchte Arbeitskräfte sind und viel besser verdienen, als sie es in ihren Heimatländern je könnten.
Ihre Kinder bleiben zurück und das ist, finde ich, ein hoher Preis, den die Familien dafür zahlen. Dafür, dass sie durch ihre Arbeit im Ausland ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen wollen. Denn oftsehen sich Eltern und Kinder für lange Zeit nicht, manchmal über Jahre. Das kann verschiedene Gründe haben. Manchmal ist es die Angst, nach einem Besuch zu Hause keine Einreisegenehmigung mehr in die EU zu bekommen. Das habe ich von Frauen aus der Ukraine gehört, die in der Kranken- und Altenpflege oder als Haushaltshilfe arbeiten.
In der Ukraine soll es besonders viele „Eurowaisen" geben.
Viele Kinder leiden sehr darunter, sie vermissen die Mutter oder den Vater. Natürlich. Auch wenn sie vielleicht von den Großeltern betreut werden. Manche habennicht mal das, sie sind sich selbst überlassen.
Es gibt da sehr traurige Schicksale: Kinder und Jugendliche, die zwar von ihren Eltern für ihre Verhältnisse viel Geld bekommen. Ihre Kinder verwenden es aber mitunter nicht so, wie es sich die Eltern vorstellen. Sie vernachlässigen die Schule oder geraten in schlechte Gesellschaft - Alkohol und Drogenmissbrauch sind nicht selten die die Folge.
Den Kindern fehlen ihre Eltern. Ihr Verhalten ist oft ein Schrei nach Aufmerksamkeit und Liebe.
Ein Sprichwort sagt: „Abwesenheit lässt ein Kind nicht gedeihen" -
das zeigt sich hier.
Und ganz schlimm ist es, wenn die Eltern oder ein Elternteil gar nicht mehr zurückkommt. Was muss in diesen Kindern vorgehen!
Die katholische Hilfsaktion Renovabis sammelt jedes Jahr in der Zeit um Pfingsten Spenden für benachteiligte Menschen in Osteuropa. In diesem Jahr stehen die Kinder im Mittelpunkt, um die sich niemand kümmert. Besonders auch die vielen Euro-Waisen in der Ukraine. Die Spenden fließen in Hilfsprojekte, damit allein gelassene Kinder wieder ein Zuhause haben, Zuwendung bekommen oder eine Ausbildung.
Das kann die eigenen Eltern zwarnicht ersetzen. Aber diese Hilfe ist trotzdem wichtig. „Und er stellte ein Kind in ihre Mitte" - ist das Motto der Aktion.
Ein Satz aus dem Markusevangelium.
Darin wird berichtet, wie Jesus ein Zeichen dafür gesetzt hat, dass Kinder das Wichtigste sind und in der Gesellschaft im Mittelpunkt stehen sollen. Dass wir alles dafür tun müssen, dass es ihnen gut geht an Leib und Seele.

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