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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten. Zu dem Ergebnis ist der Theologe Karl Barth gekommen. Er hat sich seine Hände angeschaut und gefragt: Was mache ich eigentlich mit ihnen? Was sollte ich mit meinen Händen machen? Was macht Sinn? Seine Antwort lautet schlicht: Im Leben gilt, Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten.
Der erste Punkt ist klar: Man muss das Leben anpacken. Also Hände aus der Tasche, Ärmel hochgekrempelt und die Dinge angehen. Karl Barth lebt während der Nazizeit. Er kämpft gegen die Überheblichkeit der Parteiideologen und dass sie die Kirche manipulieren wollen. Deshalb verfasst er mit anderen ein wichtiges Bekenntnis gegen die Nazis und unterstützt die Kirche, wo sie im Widerstand arbeitet.
Doch so sehr Karl Barth für ein aktives Leben eintritt, so weiß er auch: nur powern führt dazu, dass man bald ausgepowert und ausgebrannt ist. Deshalb muss man die Hände auch mal in den Schoß legen können, mal Arbeit Arbeit sein lassen, den Feierabend genießen. Schließlich hat sogar Gott nicht nur geschafft, sondern auch ausgeruht am siebten Tag, als die Welt fertig war. Deshalb darf auch ich regelmäßig die Hände in den Schoß legen, mindestens einmal die Woche.
Hände aus der Tasche nehmen und Hände in den Schoss legen, Das ist der Rhythmus. Und darin gibt's noch ein Drittes: Hände ab und zu mal falten, also zu Gott beten. Warum? Wenn ich bete, dann spüre ich, dass ich in einen größeren Zusammenhang eingebunden bin. Es gibt mehr als Arbeiten und Ausruhen. Schuften und schlafen. Leben ist ein wunderbares Geschenk. Ich habe Hände! Und mit denen kann ich eine ganze Menge bewegen. Was für ein Möglichkeit. Und das ist nicht selbstverständlich. Wenn ich die Hände falte, gebe ich zu, dass ich Grenzen habe. Und dass nicht alles an mir hängt und von mir kommt.
Im Leben gilt, Hände aus der Tasche nehmen, Hände in den Schoss legen, Hände von Zeit zu Zeit falten. Ziemlich alt, die Gedanken von Karl Barth, und doch leuchten sie mir heute immer noch ein. Leben ist gar nicht so kompliziert, wenn man aufs Gleichgewicht achtet. Arbeiten, ausruhen, beten. So einfach.

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