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SWR2 Wort zum Tag

„Wir trauen uns", sagen heute wieder viele junge - und auch ältere - Paare. Ein Samstag im Wonnemonat Mai bringt Hochbetrieb auf den Standesämtern und in manchen romantisch gelegenen Kirchen - und vielleicht feiern auch Sie bald wieder mit anderen Hochzeit oder den eigenen Hochzeitstag.
Wir trauen uns - dieses in Anzeigen beliebte Wortspiel hätte vielleicht auch Martin Luther ganz gut gefallen. Zu einem Menschen Ja fürs Leben zu sagen, dazu braucht es nämlich nicht nur Ver-Trauen, sondern auch Zu-Trauen, eine ganze Portion Mut. Das war auch dem Reformator bewusst. Und wie!
Wer für seine Ehe den Segen Gottes wünsche, so schreibt er in seinem „Traubüchlein", „der zeiget damit wohl an (ob er's gleich mit dem Munde nicht redet), in welche Gefahr und Not er sich begibt und wie sehr er des göttlichen Segens und allgemeinen Gebets bedarf für den Stand, den er anfängt".
Die Ehe als Not und Gefahr? Eine mutige Entscheidung - in Ordnung. Aber eine Not? Vielleicht finden Sie Luthers Worte heute eher unpassend. Im 21. Jahrhundert  ist eine Ehe ja kein Zwang mehr, wir heiraten, wenn überhaupt, freiwillig und feiern mit der Hochzeit unsere Liebe.
Trotzdem finde ich Luthers Worte auch heute noch bedenkenswert. Einerseits schlicht deshalb, weil sie realistisch sind. Ein Bund fürs Leben ist ein Wagnis, das selten ganz ohne Nöte und Verletzungen  verläuft. Und andererseits auch, weil seine Worte einem Missverständnis vorbeugen. Die Liebe zwischen zwei Menschen ist etwas Wunderbares, ohne Zweifel. Und es gibt Momente, da kann sie einen tatsächlich über das Hier und Jetzt unserer begrenzten Welt hinausheben. Aber sie ist überfordert, wenn ich in ihr das vollkommene Glück oder den absoluten Sinn suche. Eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist auf Dauer kein Paradies. Wer das erträumt, wird wahrscheinlich daran scheitern. Auch die Bibel ist da unromantisch. Im Himmel wird nicht geheiratet, erklärt Jesus an einer Stelle (Lukas 20,35). Da nämlich, bei Gott, glaube ich, ist Liebe mehr als eine romantische Zweierbeziehung. Und vielleicht noch ganz anders als wir es uns vorstellen können.
Bis dahin aber, und das wusste auch Martin Luther seit seiner Heirat mit Katharina von Bora sehr gut, bis dahin können wir uns trauen und Mut haben zu so einer „gefährlichen" Zweierbeziehung. Sie ist nicht der Himmel auf Erden - aber trotzdem ein großes Geschenk. Weil da jemand zu mir hält, auch wenn es hart kommt. Und weil auch nach vielen Jahren immer noch neue Entdeckungen möglich sind - aneinander und miteinander.

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