Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Sonntagsgedanken

Teil I
„Ein gut’ Gebet muss nicht lang sein, sondern oft und hitzig“.
Das sagte kein geringerer als Martin Luther. Heute denken wir in den Gottesdiensten der Evangelischen Kirche an die Reformation und an Martin Luther. Er verstand es, das Thema Beten „herunterzuholen“ zu den Menschen. Beten sollte nichts Kompliziertes oder Langes sein, auch nicht in jedem Fall vorgefertigt oder gar vorgeschrieben. Und das wichtigste: Nichts sollte zwischen dem betenden Menschen und Gott stehen, gar nichts, keine Vermittler, keine anderen Autoritäten. Mit Gott sollte man reden können wie mit einem guten Freund: vertraut und herzlich. „Ein gut’ Gebet muss nicht lang sein, sondern oft und hitzig“.
Und das kann man lernen. Ich selber bete so. Oder besser gesagt: ich lerne, so zu beten: voller Vertrauen mein Leben in Gottes Hand zu legen, in allen Belangen und Situationen. Das entlastet mich und nimmt mir meine Angst. Beten lässt mich geborgen sein und gibt mir Halt. Und ich erlebe es immer wieder: Gott ist nur ein Gebet weit von mir entfernt.
Darum möchte ich Sie zum Beten einladen. Denn es ist gar nicht schwer. Auch wer es noch nie gemacht hat oder schon lange nicht mehr, kann es probieren.
Folgenden kleine Geschichte zeigt, dass beten einfach sein kann:
Ein Lehrer der Religion wurde von seinem Schüler aufgefordert: Zeig mir wie ich beten kann. Der antwortet: „Wie kann ich es dir zeigen? Ich kann es nicht.“ Der Schüler fragt erstaunt zurück: „bist du nicht ein Lehrer der Religion?“ „Eben deswegen“, antwortet dieser. „Beten lernt niemand durch Wissen und Können. Sondern nur durch Erfahren und Leben. Selbst musst du in den Brunnen springen, die Tiefe wagen, den inneren Raum und die innere Zeit entdecken.“
„Und wie rufst du Gott“ – fragt der Schüler den Lehrer weiter. „Welchen Namen gibst du ihm?“
„’Ach’, werde ich ihn rufen“, antwortet der Lehrer. „Nicht Gott. ‚Ach’!
Überleg dir selbst: wann sagst du ‚Ach’? ‚Ach’, wenn du leidest. – ‚Ach’, wenn du staunst. – ‚Ach’, wenn du betroffen bist. – ‚Ach’, wenn du dich freust.
Wenn du in solcher Weise ‚Ach’ sagst, dann ahnst du etwas vom tiefen Grund deiner Seele. Dann spürst du auf einmal, wo der Grund deines Lebens ist. Wo Gott ist. Und das ist mehr, viel mehr als die Erfüllung deiner Gebetswünsche!“

Teil II
Ein kurzer Gedanke zum Himmel geschickt - das ist schon beten. Ein ‚Ach’ wenn ich mich freue, ein ‚Ach’, wenn ich leide. Da braucht man keine großen Worte machen. Oft kann man dann Gottes Nähe spüren. Das erleben viele Menschen, die beten.
Aber viele erleben auch das andere. Wenn man es dringend bräuchte, das Beten – dann kann man es nicht. Man findet nicht die richtigen Worte oder es ist einem überhaupt fremd. Ich glaube, man tut sich leichter mit dem Beten in schwierigen Situationen, wenn man es vorher schon gelernt hat. Man kann es nämlich lernen. Man kann es auch üben. Mir haben dabei ein paar Regeln geholfen, die ich von dem Religionslehrer Fulbert Steffensky übernommen habe. Ich möchte Sie Ihnen heute Morgen weitergeben.
1. Entschließe dich zu einem regelmäßigen, täglichen und eher kurzen Gebet!
Die Länge bringt’s nicht beim Beten, das Herz macht’s! Wie Martin Luther sagt: „oft und hitzig“: lieber jeden Tag und kurz die Verbindung mit Gott aufnehmen, als selten und lang und kompliziert.
2. Gib deinen Gebeten wenn möglich eine feste Zeit und einen festen Ort!
Das hilft, das Beten einzuüben: immer morgens im Bett vor dem Aufstehen oder am Tisch vor dem Frühstück, vor dem Essen oder abends vorm Einschlafen. Nur ein paar Minuten. Morgens breite ich vor Gott meinen Tag aus und lege ihm alles hin, was mich beschäftigt: Was wird der Tag heute bringen? „Geh du mit, guter Gott!“ Wenn ich so meinen Tag anfange, geht mir manches leichter von der Hand, weil ich mit Vertrauen angefangen habe, mit Gottvertrauen. Und abends lege ich im Gebet meinen Tag wieder ab wie meine Kleider: ich danke Gott für das Schöne, das ich erlebt habe und lege das Schwierige in seine Hände. Er kann auch aus meinen Fehlern Gutes werden lassen.
3. Nimm, was dir bekannt ist! Wenn du keine eigenen Worte findest, nimm, was du kennst z. B. ein bekanntes Psalmwort, Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“. Oder ein Gebet in Reimform. Das prägt sich besser ein, es macht das Beten selbstverständlicher mit der Zeit. Und man hat dann ein Gebet parat für den Ernstfall, wenn eigene Worte fehlen. Wer mit Kindern betet, weiß dass sie so leichter beten lernen: durch kurze Reime. Das können sich Kinder gut merken. Und wenn sie dann mal ein Gebet brauchen, wissen sie wie und was sie beten können.
4. Sei mit dem zufrieden, was dir gelingt! Beten ist ein Üben und Lernen und braucht nicht perfekt sein! Gott hört auch die gar nicht perfekten Hilferufe!
Auf die Verbindung kommt es an: „oft und hitzig“. Den Kontakt mit Gott nicht abreißen lassen. Und dazu braucht man kein perfekter Christ sein.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und mögen Sie erleben, was allen versprochen ist, die beten: „Klopfet an, so wird Euch aufgetan!“ https://www.kirche-im-swr.de/?m=13