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SWR3 Gedanken

Sich verlieben ist einfach. Aber wenn der Geliebte ein verheirateter Mann ist, dann wird es schwierig.
Schwierig für alle Beteiligten: für die betrogene Ehefrau, für den Mann, der von nun an in einer Grauzone von Ausflüchten, Versprechungen und Lügen lebt, und für die Geliebte, die nun ein Leben zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen führt.
In der Bibel gibt es auch so eine Geschichte. Sicher, die Geschichte ist fast 3000 Jahre her und die Geliebte war ganz legal und hieß „Nebenfrau"; aber die Gefühle und die Verletzungen sind ganz ähnlich gewesen.
Da ist also Sara, die Ehefrau. Sie weiß Bescheid. Es braucht einen Erben, einen Sohn und sie ist doch kinderlos. Also muss es sein. Die Nebenfrau soll für sie Leihmutter spielen.
Da ist Abraham. Der Mann in dieser Dreiecksbeziehung. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Bezieht keine Position. Läuft mit.
Und da ist Hagar. Die junge Nebenfrau. Die dann tatsächlich schwanger wird und die sich deswegen Hoffnungen macht. Jetzt, wo das Kind da ist allemal.
Aber dann tritt eine unerwartete Wendung ein: Sara, die Ehefrau, wird auch schwanger.
Und nun bricht Saras Wut hervor. Sie verlangt, dass Abraham Stellung bezieht; will, dass er sich von der Konkurrentin trennt, sie wegschickt.
Und Hagar? Mittellose Geliebte? Hilflose, weil rechtlose Mutter eines kleinen Sohnes? Was kann sie schon tun? Abraham tut, was Sarah verlangt, er schickt sie weg. Und sie flieht in die Wüste - im wahrsten Sinne des Wortes. Sie ist verzweifelt, will nicht mehr, kann nicht mehr.
Und hier nun erscheint ihr ein Engel Gottes. Er hilft ihr. Keine Moralpredigt, nein. Er führt sie zu einem Brunnen. Sie lässt sich helfen. Sie trinkt. Sie gibt ihrem Sohn zu trinken. Wasser des Lebens. Es kann weitergehen.

1. Mose 16 und 21.
Margot Käßmann, Mütter der Bibel; Verlag Herder GmbH 2010.

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