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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

"Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?" So fragt der Beter im 42. Psalm. Und er antwortet sich selbst: "Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist."
"Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?" Was kann nicht alles geschehen, was auch eine starke Seele betrübt! Ich denke an den plötzlichen Tod von Menschen, die für viele ein Anker waren. Ein Unfall, bei dem junge Menschen ums Leben kommen. Für andere sind es Sorgen um die Kinder. Finanzielle Sorgen. Oder ein heftiger Streit, bei dem Menschen einander tief kränken und verletzen. Und als würde das alles noch nicht ausreichen, hören wir in den Nachrichten ständig von Katastrophen, Kriegen, Umweltzerstörung.
Und nun: "Harre auf Gott!" Ein ganz altes Wort: harren. Wir kennen es eher in anderen Worten: ausharren, beharrlich sein. Geduldig warten und auf seinem Posten bleiben, heißt das. Da lässt sich jemand nicht einfach wegschieben, sondern bleibt und sagt, was für ihn dran ist. Harre auf Gott! Lass dich nicht beiseite schieben, wie schlimm es auch kommen mag! Harre aus, wenn du auch glaubst, es geht gar nicht mehr, wenn du das Gefühl hast, alle Kraft hat dich verlassen!
Die Psalmen in der Bibel beschreiben die Not, in die wir geraten können, in kräftigen Worten und Bildern. In diesem 42. Psalm heißt es einmal: "Alle deine Wasserwogen gehen über mich!" Doch der Beter lässt nie nach, auf Gott zu harren. Harren: Das ist mehr als warten. Ich warte auf einen Zug oder auf meinen Besuch. Harren: da wartet der ganze Mensch. Mit Leib und Seele. Die Bibel sagt: Er wartet nicht umsonst. Gott ist da.
Das haben Menschen immer wieder erfahren - genauso wie der Beter des Psalms. "Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist." Jemand, der bedrückt und niedergeschlagen war, hat erlebt: Ich kann mein Gesicht wieder heben. Es gibt eine Hilfe. Ich habe einen Gott.
Ich leihe mir diese alten Worte gerne. Manchmal fällt es mir schwer, eigene Worte zu finden. Wie gut, dass es schon welche gibt! "Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist."

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