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SWR2 Wort zum Tag

Freud und Leid - geht das zusammen - im richtigen Leben - auch in schweren Tagen und Zeiten?
Ist es nicht vielmehr so: Einmal bin ich obenauf - und einmal ganz, ganz unten.
Aber beides ineinander verschlungen?
Es lohnt, daraufhin die Geschichten von den letzten Lebenstagen Jesu in Jerusalem anzuschauen.
Üble Nachrede, enttäuschende Begegnungen, Hohn und Spott - das ganze Programm von Beleidigung - das macht das Leiden Jesu aus. Und doch leuchten zugleich und mehrfach - manchmal im selben Moment - Sympathie und Zuwendung auf:
In der Angst vor Verfolgung geben Freundinnen Jesus einen Unterschlupf in einem kleinen Vorort von Jerusalem. Andere Freunde suchen heimlich einen Ort, damit Jesus mit seinen Freunden Passah feiern kann.
Hier beim Fest wird das nebeneinander von Festfreude und Angst vor Gegnern und Verrat besonders spürbar.
Da wird die Befreiung aus der Knechtschaft gefeiert - Passah - alle Freunde Jesu sind an einem Ort beisammen - so wie Jesus es sich gewünscht hat. Es heißt: „Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus liebte, der lag bei Tisch an der Brust Jesu. (Joh 13,23)
Künstlerinnen und Künstler hat diese Szene immer wieder fasziniert.
Ganz körperlich nah sitzen die Jünger am Festtisch - Seite an Seite - Fuß an Fuß. Der eine - Namenlose - lehnt sich an die Brust von Jesus, als würde er Schutz und Zuneigung suchen. Hand in Hand. Der so nahe Freund spürt Jesu Hand auf seiner Schulter.
Aber am selben Tisch, zur selben Stunde, geschieht dies:
Der Andere - Judas - geht hinaus in die Nacht - um Jesus zu verraten.
Verräter und engster Freund - Verrat und Zuneigung.
Mitten im Leben von Verrat umgeben.
Aber nun auch: Mitten im Verrat von Sympathie umgeben.
Derselbe „Lieblingsjünger" steht später mit einigen Frauen und der Mutter Jesu unterm Kreuz. Jesus stiftet zwischen ihm und seiner Mutter ein neues Mutter-Sohn Verhältnis. So wird der Jünger, den Jesus liebte, zu seinem "Bruder".
Mitten im Abschied - Nähe.
Mitten im Sterben - mitten in der Trennung - Treue und neue Gemeinschaft.
„In dir ist Freude - in allem Leide"(EG 398 -  Text: Cyriakus Schneegaß, 1598).
-  heißt es in einem Kirchenlied. Und das ist offenbar keine fromme Phantasie - das ist gelebte Hoffnung.
Ich entdecke daran für mich:
Wenn Ärger, wenn Angst und Not groß werden, dann sollen sie nicht die Spuren in meinem Leben verwischen, die mich mit Freude erfüllen.
Ich will vom Dunkeln nicht das Helle in meinem Leben überschatten lassen.
Ich will beides nebeneinander wahr nehmen und erleben.

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