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SWR4 Abendgedanken

Eine Busfahrt in den Südstaaten Amerikas in den 1950er Jahren. Die vorderen Sitzplätze im Bus sind für die Weißen reserviert. Wenn allerdings die Plätze nicht ausgereicht haben, mussten die schwarzen Fahrgäste ihnen Platz machen. An einem Tag im Dezember 1955 ist die Näherin Rosa Parks sitzen geblieben. Nach einem langen Arbeitstag hat sich die farbige Frau geweigert, ihren Platz freizumachen. Sie wurde deshalb verhaftet, und ein Ruck ging durch die schwarze Bevölkerung der Stadt Montgomery. Über ein Jahr lang sind die Schwarzen zu Fuß gegangen, per Anhalter gefahren oder mit dem Fahrrad - die Busse blieben leer. Ein Autofahrer hat eines Tages neben einer alten Frau gestoppt, die offensichtlich nicht besonders gut zu Fuß war. „Steig ein, Großmutter," hat er sie ermuntert, „du brauchst nicht zu laufen!" Sie hat das Angebot fröhlich abgelehnt: „Ich laufe nicht für mich, ich laufe für meine Kinder und Kindeskinder." 381 Tage hat der Busstreik von Montgomery gedauert. Danach hat das Oberste Gericht die Rassentrennung in den Bussen für verfassungswidrig erklärt.
Der junge Martin Luther King war damals als Pfarrer neu in Montgomery. Er hat miterlebt, dass Schwarze und Weiße auf verschiedenen Parkbänken saßen, in getrennte Schulen und getrennte Schwimmbäder gingen. Er kannte die schwarzen Dienstmädchen, schwarzen Köche oder schwarzen Krankenschwestern, die in den Häusern der wohlhabenden weißen Bürger gearbeitet haben. Als der Busstreik von Montgomery begann, hat sich Martin Luther King  wie selbstverständlich an die Spitze der Protestbewegung gesetzt. Bis zu seinem Tod 12 Jahre später ist er ihr Kopf gewesen. An ihn möchte ich heute erinnern, sein Tod jährt sich heute zum 44. Mal. Martin Luther King pochte auf das, was in der amerikanischen Verfassung eigentlich längst verankert war: Alle Menschen haben die gleichen Rechte und sollen die gleichen Chancen haben. Er hatte nicht nur Anhänger, sondern auch zahlreiche Gegner. Letztendlich hat er für seine Überzeugung mit dem Tod bezahlt. Ich bin deshalb so beeindruckt von ihm, weil er ein zutiefst gläubiger Mensch gewesen ist und davon überzeugt, dass man nur gewaltlos etwas erreichen könne. Von dieser Haltung ist er nicht abgegangen - auch nicht, als man seine Familie bedroht hat. Ich denke, unsere Welt würde anders aussehen, wenn es mehr Menschen wie ihn geben würde. Er hat großen moralischen Druck erzeugt, so dass die ganze Welt aufmerksam wurde auf die Situation der Schwarzen in Amerika. Gewaltlos hat er dazu beigetragen, die amerikanische Gesellschaft von Grund auf zu verändern - und ist selber ein Opfer der Gewalt geworden. Am 4.April 1968 wurde er in Memphis erschossen. Über sich selbst hat Martin Luther King  gesagt: "Wenn ich einem von euch.... den Weg zur Erlösung gezeigt, die Botschaft des Herrn verbreitet habe, dann war mein Leben nicht umsonst."

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