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SWR4 Abendgedanken

Warum kann man nicht im Schlafanzug in den Kindergarten gehen? Solche und ähnliche Fragen höre ich im Moment täglich von meiner kleinen Tochter. Sie zwingt mich dazu, die Dinge so auf den Punkt zu bringen, dass sie sie versteht. Da muss ich schon genau überlegen, was ich sage, denn meine Tochter würde mir alles glauben. Im Moment bricht der Frühling durch und an vielen Bäumen hängen bunte Ostereier. „Was ist Ostern?", hat sie gefragt. Und mich ins Nachdenken gebracht. In drei Tagen ist Karfreitag, da möchte ich mit ihr zum Kinderkreuzweg gehen. Mit Tüchern, kleinen Kulissen und Figuren wird dort der Leidensweg von Jesus nacherzählt, vom letzten Abendmahl bis zur Kreuzigung. Die Stationen sind im Gemeindehaus auf dem Boden aufgebaut, so dass die Kinder dazwischen umhergehen können. An einer Station sitzen biblische Figuren um einen winzigen Tisch - wie in einer Puppenstube. Eine von ihnen kniet und wäscht den anderen die Füße. Das ist die Jesus Puppe. Sie wandert weiter von Station zu Station. Von der Verurteilung durch Pontius Pilatus den langen Weg hinaus aus der Stadt bis zum Kreuz. Die letzte Station ist das Grab, mit dem Stein davor. Jesus ist gestorben und begraben. Die Kinder haben Blumen und grüne Zweige mitgebracht, die sie jetzt vor das Grab legen. Es ist ein Hinweis auf das Leben, das wiederkommt. Das Leben ist mit dem Tod nicht zu Ende. Das ist es, was wir an Ostern feiern: Wir erinnern uns daran, dass Frauen und Männer Jesus begegnen, nachdem er gestorben war und sie ihn ins Grab gelegt hatten. Sie erleben ihn als den Lebendigen. Sie spüren, dass sein Weg noch lange nicht zu Ende ist, und dass er einen Auftrag für sie hat. Deshalb beginnen sie, von Jesus zu reden. Bis heute. So kann ich meiner Tochter das Osterfest erklären, glaube ich. Das ist auch das, was sie erlebt. Im Gottesdienst, bei den Festen im Kindergarten, oder auch bei uns zuhause. Dass da viele Menschen sind, die von Jesus sprechen und denen er wichtig ist. Dass Jesus zwar gestorben, aber trotzdem da ist. Ich freu mich auf Ostern - und auf die Fragen meiner Dreijähringen.

 

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