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SWR4 Abendgedanken

Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich den schwierigsten Beruf der Welt. Ich arbeite ja bei der Kirche. Da soll ich Kindern und Jugendlichen von Gott erzählen. Wissen Sie, wie die mich oft ansehen? Noch bevor ich den ersten Satz beendet habe? Manche schauen etwas erschrocken: Oha, was kommt jetzt? Andere fangen sofort an zu gähnen. Wieder andere schauen mich etwas mitleidig an.
Wenn ich dann nachfrage, fallen vor allem die Stichworte: Langweilig, ernst und kompliziert. Langweilig sei Gott, weil er immer Ruhe will. Alles soll andächtig sein. Und muss die Sache mit Gott immer so ernst und kompliziert sein? Es gibt so viele Widersprüche: Die eine Religion sagt dies, die andere sagt das.
Natürlich gibt es auch andere Reaktionen. Aber für viele Kinder und Jugendliche scheint Gott  „uncool" zu sein. Sie haben den Eindruck, dass sie und Gott einfach nicht zusammenpassen. Gott ist etwas für alte Menschen. In ihrem Leben kommt Gott nicht vor.
Stimmt das? Hat Gott mit dem Leben dieser Jugendlichen tatsächlich nichts zu tun?

Menschen haben doch zu allen Zeiten die Erfahrung gemacht, dass Gott in ihrem Leben vorkommt. Es sind ganz viele kleine und große Erfahrungen mit Gott überliefert. Warum sollte das heute anders sein?
Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir ein, dass Jugendliche gut und gerne feiern. Feste und Partys sind für viele junge Leute ganz wichtig. Hier erleben sie Gemeinschaft, Freude, Liebe und Leid. Manche fiebern die ganze Woche lang der nächsten Feier entgegen. Eigentlich ist der Weg zu Gott da nicht weit. Denn wann wurden die Menschen zum ersten Mal auf Jesus aufmerksam? Bei einer Party, nämlich bei der Hochzeit zu Kana. Und da hat er dafür gesorgt, dass die Party nicht frühzeitig zu Ende war. Er hat Wasser in Wein verwandelt und so der Hochzeit nochmal einen richtigen Schub gegeben. Jesus war dafür bekannt, dass er gern gefeiert hat. Man denke nur an die vielen Gelegenheiten, wo er Menschen um einen Tisch versammelt hat. Reiche und arme, vorbildliche und Außenseiter.
Ich finde, Jesus hat eine frohe Botschaft. Nicht nur für mich und andere Kirchgänger, sondern auch für Kritiker, für Suchende und für die Jugendlichen in meinem Religionsunterricht. Jesus sagt: Freut euch und feiert! Feiert das Leben. Feiert die Gemeinschaft untereinander und mit Gott. Brecht und teilt das Brot. Esst und trinkt in meinem Namen und schließt niemanden dabei aus.

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