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SWR4 Abendgedanken

Vor kurzem lief im Fernsehen wieder diese Dschungelsendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus." Sie haben bestimmt davon gehört: Ein paar mehr oder weniger prominente Menschen müssen im Dschungel campieren. Keine Dusche, kein Bett, kein Sofa. Außerdem bekommen sie ständig neue Aufgaben gestellt: Würmer essen, mit Schlangen schmusen und vieles mehr. Echt eklig, finde ich. Aber die Sendung ist ein Quotenhit.
Warum schauen sich das so viele Menschen an? Ein Grund könnte sein: Wenn ich selbst einen schlechten Tag hatte, sehe ich dort: Anderen geht es noch schlechter. Ich kann nicht anders, als mich mit anderen zu vergleichen. Manchmal fühle ich mich nicht wohl, weil es andere scheinbar viel besser haben. Doch es funktioniert auch andersherum: Ich bin erleichtert, wenn´s mir besser geht als anderen. Mit denen im Dschungelcamp will ich jedenfalls nicht tauschen.
Ganz anders klingt dagegen die Botschaft der Bibel. Jesus sagt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Ich übersetze das mal so: Hör auf, dich ständig mit anderen zu vergleichen. Sieh den anderen nicht als Konkurrenten, sondern als guten Freund, als Partner. Auch dich selbst- ganz egal, was andere machen: Du darfst so sein, wie du bist.
Wenn das so einfach wäre, würde ich sofort mitmachen. Sich selbst lieben, den anderen lieben - das hört sich doch gut an. Es ist nur irgendwie viel schwieriger umzusetzen. Ich vermute nämlich, dass die anderen genau das gleiche tun wie ich:  vergleichen. Auch die, die im Dschungel sitzen, vergleichen sich ständig untereinander. Wer ist beliebter bei den Zuschauern? Wer hat welche Ekelprüfung geschafft? Wer gewinnt am Ende den Titel des „Dschungelkönigs"?
Vielleicht würde Jesus den Dschungelcampern vorschlagen:  Lasst den Dschungel hinter euch. Lasst das Vergleichen bleiben. Ich finde, das beeindruckende an Jesus war, dass er nicht nur davon geredet hat, sondern dass er diese Liebe auch ausgestrahlt hat. Er hat seinen Worten Taten folgen lassen.
 „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." - der Satz taugt wahrscheinlich nicht als Motto für eine Fernsehshow. Aber er kann zum Motto für mein Leben werden. Wenn ich dann mal einen schlechten Tag hatte, kann ich  auf das Gute bei mir und anderen schauen - anstatt nach dem größten Pechvogel zu suchen.

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