Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

Stellen Sie sich vor, es gibt kein Geld mehr. Stattdessen müssen Sie alles, was Sie haben wollen, mit Zeit bezahlen. Das ist die Idee des Science-Fiction-Films „In Time - Deine Zeit läuft ab". In diesem Film ist Zeit die Währung der Zukunft. Alle Menschen tragen ihre Lebenszeit sichtbar auf dem Arm. Man kann sich gegenseitig Lebenszeit schenken, man wird bezahlt in Lebenszeit. Es gibt Reiche, die werden auf Kosten der Armen immer reicher an Zeit. Arme werden in Ghettos eingesperrt, in denen die Zeit immer knapp gehalten wird, damit sie bald sterben. Denn nicht für alle ist Platz auf der Erde. In den Ghettos gibt es Zeitdiebe und Zeitüberfälle. Es gibt Bedürftigenstellen, an denen Zeit wie Suppe an die Armen ausgeteilt wird. In den Ghettos ist alles beschleunigt. Die Armen rennen um die Wette, Zeit ist kostbar. Man lebt von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Jeden Tag läuft der Countdown. Fünf, vier, drei, zwei, eins, tot. Im Film „In-Time" erkennt man die Reichen daran, dass sie langsamer sind als die Armen. Sie können es sich leisten. Sie fahren langsamer Auto, sie gehen ruhiger, sie essen nicht hastig. Ein lebensmüder Reicher schenkt dort einem Armen sein Zeitkonto: hundertfünf Lebensjahre. Und schreibt als Mahnung an die Wand, bevor seine Uhr abläuft: „Vergeude meine Zeit nicht." Bei uns gibt es noch Geld. Zeit ist keine Währung. Aber wie ich mit meiner Zeit umgehe, das ist heute eine wichtige Frage. Und sie lässt mich auch tiefer darüber nachdenken, wie ich mit meiner Lebenszeit umgehe. Wie gehetzt ich bin oder mich hetzen lasse. Wie schnell ich einen Kaffee im Gehen schlürfen muss oder ob ich mich ganz bewusst hinsetze und genieße. Vor allem aber, ob ich weiter blicken kann, als meine eigene Zeit. Ich glaube nämlich daran, dass das Leben nach dem Tod noch weitergeht. Und die Frage heißt dann für mich: Lebe ich so, dass mein Leben für die Zukunft Bestand hat? Deshalb möchte ich etwas Beständiges schaffen mit meiner Zeit, die Zeit nicht vergeuden. Die Ewigkeit lässt mich aber auch ruhig werden. Sie beschenkt mich. Womit? „Meine Zeit liegt in Deinen Händen", singt ein modernes geistliches Lied. Und meint damit: Es kommt nicht nur darauf an, was ich aus meiner Lebenszeit mache. Im letzten liegt meine Zeit in Gottes Hand. Und er lässt heranreifen und die Dinge sich so fügen, dass ich gelassener mein Leben leben kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=12340