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SWR4 Abendgedanken RP

„Wegweiser durch’s Leben“ können sie sein, Hilfe in schwierigen Zeiten, Ermutigung an fröhlichen Tagen. Ich meine Konfirmationssprüche. Ganz eigene und persönliche Worte zur Feier der Konfirmation, die viele Jugendliche in diesen Tagen feiern. Wie hilfreich solche Sprüche fürs Leben sein können, darum geht’s im heutigen Blickpunkt Kirche.
Musik

Teil 1

In diesen Tagen wird bei uns landauf landab wieder Konfirmation gefeiert. Dabei bekommen die Jugendlichen einen Satz mit, der sie im Leben begleiten soll. Es gibt aber auch Sprüche zur Taufe und zur Trauung. Erinnern sie sich noch an solche Worte, die sie auf ihrem Weg begleiten? Ich habe mich mal bei uns im Ort umgehört.

Nein! Ich hab’s vergessen.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele und so weiter und so fort. Das ist mein Konfirmationsspruch, mein Taufspruch, das ist der Konfirmationsspruch von meinen Eltern. Das bleibt alles in der Familie sozusagen.
Ich weiß, dass in einem Konfirmationsspruch was mit Licht der Welt vorkam, eigentlich wenig.
An meinen Konfirmationsspruch erinnere ich mich noch: Säe Gerechtigkeit und ernte nach dem Maß der Liebe.


Zu meiner Einsegnung habe ich mir damals eher unscheinbare Sätze ausgesucht, aber ich weiß sie noch. Sie beschreiben für mich den Gott, an den ich bis heute glaube und der mir wichtig geblieben ist. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn lässt sich der Sohn sein Erbteil auszahlen, verprasst das ganze Geld, gerät an falsche Freunde und kehrt schließlich doch mit gemischten Gefühlen nach Hause um. Aber er wird schon erwartet. Da heißt es nämlich am Ende:
Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Der Gott, an den ich glaube, ist für mich so wie ein guter Vater. Er kann mitleiden, mitfühlen. Und er freut sich eben über mich, auch dann, wenn ich Fehler gemacht habe, kommt mir mit offenen Armen entgegen und hält mich. Für mich war es nicht immer leicht, mir dieses Bild vom gütigen Vater zu bewahren. Aber wenn es mir schlecht geht, lasse ich mich gern daran erinnern. Dann weiß ich, er ist da – für mich. Und das hilft mir. Diese Worte haben mich geprägt.
Heute kann ich jedoch sagen: was der Satz bedeutet, habe ich erst nach und nach verstanden. Erst im Nachhinein habe ich den wirklichen Wert dieses Wortes begriffen. So ging es auch Frau Feld. Sie hat sich ihr Leben lang für benachteiligte Kinder eingesetzt und dabei oft auf Gottes Wort vertraut.

Ich Nachhinein bin ich froh, das ich so manches gute Wort bekommen habe. Und ich finde es gut, wenn Menschen, vor allem auch junge Menschen ein Ziel haben, und ein Wort, an dass sie sich halten können, wenn irgendwelche Bedrängnisse, Schwierigkeiten oder Fragen kommen, dass man weiß: ich kann mich im Vertrauen an Gott wenden, er hat ein Wort für mich bereit.
Gerade ältere Menschen leben mit solchen Sätzen schon seit ihrer Kindheit.

Teil 2
Konfirmationssprüche als Wegweiser durchs Leben – darüber geht es im heutigen Blickpunkt.

Mein Konfirmationsspruch heißt: Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Es war kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Damals auch Nazi-Zeit, war vieles nicht einfach für den Pfarrer. Dass er damals gesagt hat: Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele, das ist mir noch lange nachgegangen - von wegen Übel, was hat er damit wohl gemeint, mit Übel. Dass er auch meine Seele meinte und die bewahren wollte, das ist mir erst viel später gekommen.

Frau Feld, heute 81 Jahre alt, aber immer noch in der Gemeinde sehr aktiv, versteht den Satz, den der Pfarrer ihr damals mitgegeben hat. Nicht dem Zeitgeist des Nationalsozialismus verfallen, ein Satz des 121. Psalms sollte sie dazu ermahnen.
Konfirmationssprüche können aber noch mehr. Sie können trösten. Sie können daran erinnern, dass Gott mit seiner Kraft alle Wege mitgeht. Sie können ermutigen. Sie sind Hilfe und Wegbegleiter.
Früher war es vor allem die Aufgabe der Pfarrer, sich jeden jungen Menschen vorzustellen und dann einen Satz auszusuchen, der diesem Jugendlichen eine Hilfe für’s Leben sein könnte. Manche Sätze waren sehr eindeutig und leicht zu verstehen. Bei anderen erschloss sich der Sinn erst viel später. Vielleicht sogar erst durch ein ergänzendes oder erklärendes Wort. Bei Frau Feld war dies so 50 Jahre nach ihrer Konfirmation.

Das Bewahren meiner Seele, das ist mir erst Wirklichkeit geworden bei meiner Goldenen Konfirmation, als der Pfarrer mir auch ein Wort sagte. Und zwar: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Und da ist es mir eigentlich erst wirklich klar geworden, wie viel Gutes ich in meinem Leben erfahren habe und wie gerade meine Seele Gott behütet und bewahrt hat.

Ja, so ist das oft. Wir gehen gesegnet los, in der Taufe, bei der Konfirmation, in der Trauung. Wie gehen los und haben diese Worte mit. Manchmal in einer Urkunde an die Wand gehängt. Manchmal versteckt wie einen Schatz. Und nur ganz selten immer präsent. Und manchmal da tauchen solche Worte immer wieder auf.
Gabi Schmidt erinnert sich, wie das damals bei ihrer Tochter Lena war.

Als wir uns damals überlegt haben, welchen Taufspruch wir nehmen könnten für unsere Tochter Lena, da fanden wir es schön, meinen Konfirmationsspruch zu nehmen: Wer ist’s der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert?

Mittlerweile gehört Lena wie viele andere zu einer Gruppe junger Menschen, die in diesen Tagen auf ihre Konfirmation zugehen. Ein Jahr treffen sie sich dazu in unserer Gemeinde wöchentlich im Ökumenischen Kinder- und Jugendhaus, um über den eigenen Weg mit Gott nachzudenken. Am Ende dieses gemeinsamen Weges steht die Konfirmation. Die Gruppe bereitet diesen Gottesdienst selbst vor.

Teil 3
Sie lachen viel, haben Spaß. Bei einem dreitägigen Seminar bereiten junge Menschen ihre Konfirmation vor, die sie am kommenden Sonntag feiern.
Im Intercooler, einem fiktiven Zug, machen sie sich auf die Reise in ihr Leben. Aber schon kurze Zeit später erlebe ich sie ganz anders.
Schweigend oder flüsternd knien sie im Kreis auf dem Boden. Vor ihnen viele, viele ausgeschnittene Bibelsprüche. Sie suchen einen Spruch für sich selbst, der sie durch ihr Leben begleiten soll. Nadine nennt zwei Sprüche, zwischen denen sie sich nicht entscheiden kann:

Also ich hab einmal: ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen und du sollst ein Segen sein. Und dann: Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Die anderen versuchen ihr, bei der Entscheidung zu helfen. Sie beraten sie.
Und Nadine hat sich für den kommenden Sonntag den zweiten Spruch ausgesucht.
Als Pfarrer sind mir aber nicht nur schöne Worte ganz wichtig. Ich möchte, dass sie sich diese Worte so wie ein kostbares Bild behalten, Sie sollen es mit sich tragen und spüren, wie nahe ihnen Gott in ihrem Leben ist. Deshalb gestalten die jungen Menschen ihren Spruch als ein kleines Kunstwerk. Einen ganzen Tag lang beschäftigen sie sich so mit ihrem Satz. Sie machen ihn für andere sichtbar und buchstäblich fassbar. Und für sich selbst somit auch unvergesslich!
Joachim verarbeitet in seinem Konfirmationsspruch schon Erfahrungen aus seinem noch jungen Leben:

Ich habe in die Mitte einen Stein gestellt. Der symbolisiert das Böse im Leben. Und aus diesem Stein wachsen Blumen, die den Stein aufbrechen und das ist das Gute im Leben. Ich hab den Spruch halt gewählt, weil ich schon oft falsche Freunde hatte. Das soll sich ändern in Zukunft in meinem Leben. Mein Spruch heißt: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Wie ist das mit Ihnen? Erinnern Sie sich noch an einen Bibelspruch, der Ihnen jemand mit auf den Weg gegeben hat? hat er in Ihrem Leben seine ganz eigene Gestalt bekommen? Aber auch wenn Sie sich nicht daran erinnern. Vielleicht gibt es ja einen Satz, den Sie sich jetzt noch einmal vornehmen. Einen Satz, der Ihnen viel zu sagen hat und den Sie mit sich gehen lassen wollen. Anna, die am kommenden Sonntag konfirmiert wird, hat sich einen Spruch ausgesucht, der sie zukünftig begleiten soll

Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht sind. Wunderbar sind deine Werke. Das erkennt meine Seele.https://www.kirche-im-swr.de/?m=1234