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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Ich bin dann mal weg“. Mit diesem Satz verabschiedete sich Hape Kerkeling im Sommer 2001 von seinen Freunden.
Keiner ahnte, was der beliebte Komiker vorhatte. Sechs Wochen lang war Kerkeling unterwegs zum Grab des Apostels Jakobus. Über 800 km als Fußpilger von den französischen Pyrenäen bis ins ferne Santiago de Compostela.
Was er auf dieser strapaziösen Tour erlebte, schildert er in einem bemerkenswerten Buch. Vielleicht haben Sie es auch gelesen ? Mit viel Witz und Selbstironie beschreibt er seine zahlreichen Begegnungen auf dem Camino, diesem uralten Pilgerweg der Christenheit.
Die wichtigste Begegnung aber deutet Hape Kerkeling nur an. Es war am 3. Juli auf der Etappe von León nach Astorga. Er schreibt: „Das was ich gestern erleben durfte, kann ich weder erzählen noch aufschreiben. Es bleibt unsagbar. (...) Ich habe Gott getroffen !“
Nein, das ist nicht der billige Gag eines Komödianten. Kerkeling war aufgebrochen, um sich selbst zu finden. „Wer bist du ?“, hatte er sich gefragt. Nun glaubt er es zu wissen. „Eigentlich ist mein Camino hier beendet, denn meine Frage ist eindeutig beantwortet. Aber jetzt kann der Weg mir (...) nur noch Freude bereiten.“
Natürlich möchte man als Leser erfahren, wie das ist, Gott zu begegnen. Aber Hape Kerkeling behält das für sich. „Yo y Tú“ – „Ich und Du“.
Diese Worte hatte er am Morgen des Tages auf der Mauer einer Dorfschule entdeckt, von Kinderhand mit Kreide gemalt. „Yo y Tú“ – das ist für Kerkeling der Schlüssel seiner Gotteserfahrung. „Was passiert ist, betrifft nur mich und ihn. Die Verbindung zwischen ihm und mir ist nämlich etwas Eigenständiges“.
Ereignen aber, so erzählt der Pilger, konnte sich diese Begegnung mit Gott nur in Stille und Gelassenheit. Kerkeling fühlte sich leer. Er schreibt: „Total gelassene Leere ist der Zustand, der ein Vakuum entstehen lässt, das Gott dann entspannt ausfüllen kann. Also Achtung: Wer sich leer fühlt, hat eine einmalige Chance im Leben.“
Ich denke, Hape Kerkeling hat in diesem Augenblick eine Wirklichkeit gespürt, die sich nicht im Hier und Jetzt fassen lässt. Es ist eine innere Welt, die mich mit der Ewigkeit verbindet, oder -wie es der Psychoanalytiker C.G.Jung ausdrückt- die Gewissheit, „dass man schon in diesem Leben an das Grenzenlose angeschlossen ist“.
Diese Erfahrung vergleicht Kerkeling mit einem „riesigen Gong“. „Und der Klang wird nachhallen. Und wenn ich die Ohren spitze, werde ich diesen Nachhall noch sehr lange wahrnehmen können.“
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