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SWR2 Wort zum Tag

Von der Mühe des Suchens und vom Glück des Findens spricht das heutige Fest. Die Bibel erzählt von Menschen, die sich auf den Weg machen, die sich auf die Suche begeben. Als „drei Könige" sind sie uns bekannt - einer langen Tradition zufolge. „Fest der Heiligen drei Könige" heißt deshalb dieser Tag. Aber auch von einer anderen Bewegung ist die Rede: Gott kommt uns entgegen. Er will sich von uns finden lassen. Deshalb heißt dieser Tag auch „Fest der Erscheinung des Herrn". Beides gehört zusammen: Menschen, die sich auf die Suche machen, und ein Gott, der sich finden lassen will. Von „Magiern aus dem Osten" spricht das Evangelium. In manchen Übersetzungen ist auch von „Weisen" die Rede. Sie sind Suchende. Sie sind aufgebrochen aus den vertrauten Sicherheiten ihres Lebens und ihres Denkens. Sie ahnen, dass sich der Sinn, die Wahrheit unseres Lebens nicht erschöpfen in dem, was wir uns an Sinn und Wahrheit zurechtlegen. Diese Menschen lassen sich leiten von einem Stern, sind ergriffen von einer Vision, die sie aus einer unendlichen Weite anspricht. Noch wissen diese Suchenden nicht, wohin die Vision sie führt. Wahrheit will gesucht werden, der Sinn unseres Lebens will gesucht werden. Und wenn wir eine Spur davon entdeckt haben, ist das nicht das Ende, sondern erst der Beginn der Suche. Das gilt auch für den Glauben. Eine religiöse Wahrheit, die wir meinen gefunden zu haben oder gar zu besitzen, ist nichts als die tote Asche von Lehrmeinungen - ohne Glut und ohne Leben. Wir sind oft in der Gefahr, die Wahrheit mit theologischen Sätzen, mit erstarrten Abstraktionen zu verwechseln. Aber die Wahrheit ist Leben, ist Vielfalt, ist Dynamik. Sie erträgt auch, dass wir uns irren, uns wieder neu auf die Suche machen. Sie wird um so weiter, je weiter wir zu gehen wagen. Die Wahrheit, von der ich rede, der Sinn, den ich meine, ist Gott in der Fülle seiner Namen und in der Weite seines Geheimnisses. Ich komme noch einmal auf die Weisen im Evangelium zurück. Seit dem Mittelalter spricht man von drei Königen - sie verkörpern die drei damals bekannten Erdteile Europa, Afrika und Asien. Sie bringen Geschenke mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Diese Geschenke sind Symbole für das Wertvollste, was ihre Kulturen bereit halten. Die Drei stehen für die Menschen, die in ihren Religionen vielfältig unterwegs sind auf die Wahrheit hin. Auf den Gott hin, den sie mit vielerlei Namen nennen und der doch größer ist als alle Namen. Wir müssen immer auf der Suche nach dem stets größeren Gott bleiben. Das gilt für alle Religionen, auch für den christlichen Glauben. Aber das soll uns nicht lähmen, nicht resignieren lassen, sondern beleben. Ein Wort der Bibel sagt: „Die Gott suchen, denen wird das Herz aufleben." (Psalm 69, 33). Und wir können darauf vertrauen: Unser Suchen ist nicht vergeblich, geht nicht ins Nichts hinein. Sondern aus dem Offenen, dem Unfassbaren kommt uns immer der unfassbare Gott entgegen. Ein anderes biblisches Wort lautet: „Ihr werdet mich suchen und finden: denn wenn ihr mich von ganzen Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Ewige." (Jeremia 29, 13f) Die Mühe des Suchens und das Glück des Findens - beides gehört zusammen. Gott will sich von uns suchen lassen und ruft uns auf einen Weg, der immer wieder ins Offene und Unbekannte führt, aber auch in eine große Weite und Freiheit. Davon spricht das heutige Fest. Es stellt uns aber auch einen Gott vor Augen, der sich von uns finden lässt und sich uns zeigen will: in Jesus Christus. Mit diesem Namen Gottes verbindet sich eine unendliche Liebe, die uns immer schon begleitet und von der uns nichts und niemand trennen kann. Das ist mehr, als wir jemals im Leben zu fassen vermögen.

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