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SWR2 Wort zum Tag

Lisianne hat als Kind die Diagnose Gehirntumor erhalten. „Die Welt war plötzlich ganz still. Meine Mutter und meine Familie waren traurig. Aber ich wusste, ich werde nicht sterben", sagte Lisianne später einmal. Genau darum geht es in "Smiling doors". In dem Theaterstück, das am Stuttgarter Kammertheater aufgeführt wurde, geht es um Krankheit, Tod und Trauer. Das Besondere daran: Gesunde und an Krebs erkrankte Jugendliche haben das Stück gemeinsam erarbeitet, die Texte selbst geschrieben und die Musik dazu komponiert. Es sind traurige Geschichten, aber auch Geschichten, die Mut machen. Es sind Geschichten, die aus dem Leben dieser jungen Menschen erzählen, authentisch und echt. Eine Jugendliche berichtet, dass ihr Schwester immer gerne gesungen hat. Als sie gestorben ist, hat die ganze Familie für sie gesungen. Bis zum Schluss. „Es war ein wunderschöner Tod", meint die Schwester. Dass Tod und Trauer Themen auf der Bühne sind, ist für die Regisseurin sehr wichtig. Sie sagt, „die jungen Menschen sollen hier lernen, ihre ganz persönlichen Geschichten in die Sprache der Kunst zu übersetzen und daraus etwas für ihr Leben mitnehmen. Sie lernen vielleicht, dass das Leben leichter wird, wenn ich darüber spreche, wenn ich es mit anderen teile, mich mitteile. Auch wenn es nicht leicht fällt."Während der Probenarbeit gab es bei manchen der jungen Schauspieler gesundheitliche Rückfälle. Doch die Gruppe trägt und stärkt sich gegenseitig. „Das macht uns Mut weiterzumachen", sagen die Jugendlichen.Die Botschaft des Stücks ergeht an Gesunde und Kranke gleichermaßen. „Die Menschen sollen nicht traurig sein, sondern das Leben weiterleben, auch wenn sie eine Krankheit haben", sagt Lisianne. Es ist sehr berührend, wenn sie auf der Bühne steht und sagt, was sie selbst geschrieben hat: "Ich stehe vor dem Spiegel und stelle mir vor, was wäre eigentlich, wenn ich gar nicht geboren wäre. Dann gäbe es ja die Welt nicht, dann wäre es ja ein Nichts, gar Nichts, alles schwarz. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Meine Schwester ist tot, ich lebe."

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